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Das Jahr in Tweets

Medientechnisch war 2009 das Jahr des Microbloggingdienstes Twitter. Als ich Twitter Ende 2008 anlässlich des SPD-Parteitags erstmals ausprobierte, war mein Urteil noch gespalten. Aber ein Blick auf die Twitter-Themen von 2009 zeigt, dass der neue Dienst inzwischen ein fester Teil der Medienlandschaft ist – kein Thema, das nicht auch auf Twitter ausführlich diskutiert wurde.

Hier sind meine am meisten angeklickten Tweets - mein eigener Jahresrückblick auf das Twitter-Jahr 2009:

First video from film shootings of Andy Garcia's film on the 2008 war in Georgia: http://ow.ly/wljT

Der georgisch-russische Krieg von 2008 hat seine Schatten auch auf das laufende Jahr geworfen – in diesem Fall allerdings auf eine skurille Art und Weise in Form eines Hollywood-Blockbusters, in dem Andy Garcia den georgischen Präsidenten Mikhail Saakaschwili spielt (Dislaimer: die Präsidialverwaltung der russischen Föderation ist ein Kunde meines Arbeitgebers dimap communications).

Moldova: The Twitter Revolution http://ow.ly/2ki8

Noch einige Monate vor den Wählerprotesten im Iran wurde bei den Wahlen in Moldova deutlich, wie Bürger sich mit Hilfe von Diensten wie Twitter organisieren und damit Druck auf die Machthaber ausdrücken können.

Der mediale Hype um das Demokratisierungspotential von Twitter ist jedoch schnell nüchterneren Analysen gewichen: Evgeny Morozov, Autor des oben verlinkten Artikels, der Twitter als eine große Revolutionsmaschine preist, verdient sein Geld inzwischen mit Vorträgen darüber, wie Twitter das Regiment diktatorischer Staaten stärkt. Auch und gerade im Twitter-Zeitalter gilt also: eine packende Überschrift ersetzt keine gründliche Analyse.

Letztere liefert etwa dieser Artikel der Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel, die das Zusammenspiel von Twitter und klassischem Journalismus beschrieben hat. Dieser Link schaffte es zwar nicht in meine Twitter-Charts, aber Fauxpas meiner Leser sei hiermit genüge getan.

Germany: Twitterer taps police radio and tweets police tactics during hostage-taking - 3 died: http://ow.ly/kxYZ #schwalmtal

Ein eher unrühmliches Kapitel der deutschen Twitter-Geschichte: ein Twitterer horchte den Polizeifunk während einer Geiselnahme ab und zwitscherte über die taktischen Anweisungen der Beamten. Die Tweets wurden erst spät entdeckt und hätten dem Geiselnehmer wertvolle Informationen liefern können, wenn er sie gelesen hätte.

Need to convince your boss of the usefulness of Twitter? Show him this piece: http://ow.ly/yxut

Twitter hat 2009 auch viel Kritik auf sich gezogen, etwa weil Abgeordnete den Dienst nutzen, um das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl noch vor der offiziellen Bekanntgabe durch den Bundestagspräsidenten zu verlauten. Klar ist: die News-Hierarchie wird durch Twitter gehörig durcheinandergebracht. Ein "Twitterstorm" (wie zum Beispiel das Knutsch-In gegen Homophobie in Berlin, ein weiterer "most klicked" Link in meinem Twitter-Feed) kann kaum orchestriert werden und ist deswegen beinahe unkontrollierbar.

Was also ist Twitter? Ein emotionaler, liberaler Miet-Mob oder ein Instrument zur Kontrolle der Regierung, wie die "Trafigura-Affäre" nahelegt? Der britische Guardian, eines der wenigen Medien weltweit, das sich neuen Medien gegenüber weit geöffnet hat, bietet im obigen Artikel ein paar großartige Argumente zu dieser Debatte, die vielleicht erst im kommenden Jahr tatsächlich abgeschlossen werden kann.

Fired via Facebook - for stupid behaviour: http://ow.ly/jytV

Und auch dafür ist Twitter toll – die Verbreitung von trivialen, aber witzigen Meldungen.

Wenn Sie weiterhin auch über Twitter auf dem Laufenden gehalten werden wollen, folgen Sie mir einfach unter @daniel_florian!

Abbildung: Twitter Trending Topics 2009

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