≡ Menu

Pegida, der SPIEGEL und die “Lügenpresse”

Es ist kompliziert mit Pegida und den Medien. Auf der einen Seite schimpfen die Pegida-Anhänger über die Desinformation durch "Mainstream-Medien" und "Lügenpresse", aber ein sieben Jahre alter Spiegel-Titel über über die "stille Islamisierung" (13/2007) wird trotzdem gerne als Rechtfertigung für die eigene Islamophobie herangezogen (so geschehen während eines Dialogs mit einem Bekannten, der Facebook-Fan der Pegida ist).

Den Spiegel selber ficht das offensichtlich nicht an - auf Twitter wirbt Nikolaus Blome, Leiter des Hauptstadtbüros des "Sturmgeschützes der Demokratie", für einen Anti-Pegida-Leitartikel. Die Politik, so der Kommentar, könne mit der Unterstützung der Pegida durch offensichtlich größere Teile ihrer Wählerschaft nicht umgehen.

Der Spiegel: "Mekka Deutschland"Ich würde hinzufügen, dass auch die Medien sich fragen sollten, ob sie ihrer Aufgabe, eine demokratische Debattenkultur zu schaffen, immer gerecht geworden sind. Oder ist ein Titel über die "stille Islamisierung" nicht eine selbsterfüllende Prophezeiung, weil jeder der will, dafür einen Beleg finden kann - und sei es nur der "halal"-Sticker in der örtlichen Dönerbude.

Woher kommt die Angst der Menschen vor dem Islam? Sie wird jedenfalls nicht durch einem charismatischen Anführer wie Marine Le Pen in Frankreich oder Geert Wilders in den Niederlanden genährt - zum Glück fehlt der Pegida eine vergleichbare Führungsfigur! Vielleicht rührt das Gefühl der Entfremdung im eigenen Land doch eher daher, dass der Islam auch in den Medien oft ziemlich holzschnittartig und einseitig dargestellt wird ...

Nicht nur die Politik muss eine Antwort auf Pegida finden, auch die Medien sollten sich ein paar kritische Fragen über ihre eigenen Berichte über den Islam in Deutschland stellen!

Foto: Der Spiegel (Ausschnitt aus dem Cover von Ausgabe 13/2007)

{ 10 comments… add one }
  • ChrP 5. November 2015, 16:06

    Klar, die Ablehnnung des Islam liegt immer nur in der Schuld der anderen, keinesfalls am Islam selbst.

    Dass schon der Prophet Mohammed ähnliche Verbrechen begangen hat wie heute der IS, laut islamischer Überlieferung, kein Problem.

    Dass in islamischen Ländern meistens wegen des Islam und mit Unterstützung des größten Teils der dortigen Bevölkerung Zustände herrschen, die nicht zu aufgeklärten Menschen passen, kein Problem.

    Dass muslimische Fußballspieler in den Niederlanden einer weiblichen Reporterin nicht die Hand geben wollen, weil sie eine Frau ist, muslimische Frauen aber freiwillig (was natürlich hinterfragt werden muss) mit Kopftuch herumlaufen , obwohl das Kopftuch der gleichen Ideologie entspringt, nämlich der angeblichen Minderwertigkeit der Frau, kein Problem.

    Dass die repräsentative Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts aus dem Jahre 2012 (http://www.welt.de/politik/deutschland/article108659406/Tuerkische-Migranten-hoffen-auf-muslimische-Mehrheit.html) ergeben hat, dass der strenge religiöse Glaube bei türkischen Migranten eher zu- als abgenommen hat, 25 % davon Atheisten für minderwertig halten, 18 % Juden für minderwertig halten und fast die Häflte sich wünscht, dass es in Deutschland mehr Muslime als Christen geben wird, alles kein Problem. Weil die vielen guten islamischen Vorbildsländer ja zeigen, wie super erstrebenswert ein islamisch geprägtes Land ist.

    • Daniel Florian 5. November 2015, 17:51

      Das meine ich ja: Sie schlagen die Zeitung auf und schon zimmern Sie sich aus ein paar Schlagzeilen ein fertiges Islambild. Waren Sie schon mal in mehr als einem islamischen Land? Es gibt nicht *den* Islam, es gibt hunderte von Ausprägungen, manche mehr kompatibel mit unserer Kultur und manche weniger. Und nie habe ich gesagt ich wünschte mit ein islamisches Deutschland. Ich sage nur wir brauchen keine irrationalen Ängste vor islamischer Zuwanderung haben.

  • ChrP 5. November 2015, 19:29

    Nein, Entschuldigung, das war offenbar von mir missverständlich formuliert; ich meinte nicht, dass Sie sich ein islamisches Deutschland wünschen.

    Warum ist es eine irrationale Angst, dass Deutschland ein islamisch geprägtes Land werden kann, wenn ein bedeutender Teil der bereits anwesenden Muslime genau das wünscht?

    • Daniel Florian 5. November 2015, 20:09

      Das Grundgesetz schützt die Religionsfreiheit – genau wie andere Grundrechte. Deswegen droht kein islamisches Deutschland, selbst wen einige Muslime sich das wünschen. Und die, die nun kommen, werden merken, dass an unserem säkularem Staat auch nicht alles schlecht ist 😉 Woher kommt die Angst, dass unser Gesellschaftsmodell Immigranten als weniger attraktiv ist als die syrische Hölle, aus der die Flüchtlinge kommen?

  • ChrP 6. November 2015, 10:33

    Zwischen der syrischen Hölle und unserem Gesellschaftsmodell gibt es noch jede Menge anderer Höllen, in denen ich nicht leben möchte, auch solche, die Deutschland näher stehen als Syrien. Eine davon ist eine große Präsenz des Kopftuchs – da spielt es für mich auch kaum eine Rolle, ob eine Frau das freiwillig trägt oder nicht, es ist und bleibt das Zeichen derselben Ideologie, aus der heraus die muslimischen Fußballspieler der Interviewerin nicht die Hand geben wollten.

    Dass von den im Grundgesetz gewährten Menschenrechten nur der Artikel 1 Ewigkeitsgarantie hat und die anderen diesbezüglichen Artikel durch Zwei-Drittel-Mehrheit geändert werden können, ist Ihnen schon bekannt? Mag im Moment nicht realistisch sein, aber bei anhaltend höherer Geburtenrate muslimischer Mitbürger in nicht allzu ferner Zukunft gut möglich.

    Ich muss übrigens mal klarstellen, dass ich Menschen, die Flüchtlingsheime anzünden oder sogar direkt Asylbewerber attackieren, verabscheue, im Gegensatz zu den Flüchtlingen, wo ich nur wegen der momentan großen Menge Bedenken habe. Ich glaube nicht, dass männliche Asylbewerber in Massen blonde Frauen vergewaltigen. Ich laufe nicht einem verurteilten Straftäter hinterher, der mit Hitler-Look-Alike-Fotos bei Facebook posiert hat. Ich halte Gewalt nicht für eine legitime Form der Meinungsäußerung. Ich halte ganz allgemein diese Anti-Einwanderer-Massenkundgebungen in ihrer hasserfüllten Atmosphäre nicht für die geeignete Gelegenheit, Sorgen zu äußern. Ich habe gestern den Welt-Artikel nur rein zufällig gefunden, als ich nach etwas anderem zur Flüchtlingsfrage gesucht habe, also nicht etwa mit dem Gedanken “ich suche jetzt mal nach was schlechtem über Muslime, um hinterher sagen zu können, ich habe es ja schon immer gewusst”. Nein, damit hatte ich nicht im Geringsten gerechnet und ich war regelrecht schockiert zu lesen, dass ein so großer Teil einer relevanten Einwanderungsgruppe hofft, dass ihre Kultur in Zukunft die Kultur der ursprünglichen Bevölkerung übertrifft.

    • Daniel Florian 6. November 2015, 11:09

      Wenn eine Frau lieber ein Kopftuch trägt als einen Mini-Rock – wer sind wir dass wir ihr das vorschreiben wollen?

      Das Problem mit Islamophobie ist ja, dass sie nicht erst anfängt, wenn muslimische Parteien eine Zweidrittel-Mehrheit haben, sondern schon wenn es einen Integrationsminister in einem Kabinett gibt. Das ist viel Politik der Angst dabei um Stimmen für den rechten Rand zu fischen.

      Bei der Ablehnung von terroristischen Angriffen auf Flüchtlingsheime und Hitler-Look-Alikes sind wir uns allerdings einig!

  • ChrP 6. November 2015, 13:19

    Sie schreiben, dass das Nichttragen eines Kopftuchs nicht vorgeschrieben werden sollte. Mein Kritikpunkt dazu liegt darin, dass das Tragen eines Kopftuchs selbst die Folge einer Vorschrift ist – einer von Männern erfundenen Vorschrift, die nach meiner Überzeugung demselben Geist entspringt, warum diese muslimischen Männer der Interviewerin nicht die Hand geben wollten. Das ist der Unterschied zum Mini-Rock, einem reinen Modeaccessoire. Hätte der Mini-Rock den gleichen Hintergrund, fände ich das Tragen eines solchen genauso fragwürdig.

    • Daniel Florian 7. November 2015, 15:56

      Nein, ich sage jeder soll so leben dürfen wie er möchte aber auf der Basis des Grundgesetzes. Religiöse Bekleidungsvorschriften? Na und, so lange einen niemand zwingt. In den Kölner Dom kommt man auch nicht mit Spaghetti-Trägern. Aber wir müssen uns hier nicht einig werden, weswegen ich die Debatte hier einmal abschließe. Bleiben Sie meinem Blog als kritischer Leser gewogen!

  • ChrP 18. November 2015, 10:32

    Ich wollte auch eigentlich nichts mehr dazu schreiben, aber gestern habe ich einen interessanten Artikel gefunden, dem ich zwar nicht hundertprozentig, aber weitgehend zustimme und der, wie ich gerade beim Lesen Ihres Beitrags festgestellt habe, gut zu Ihrem “so lange einen niemand zwingt” passt:

    http://www.zeit.de/2010/38/L-Schwarzer

    Das ist es ja gerade: Für viele Frauen, besonders in islamischen Ländern, aber auch hier, ist es mit der Freiwilligkeit nciht weit her, sondern de facto ist es ein Zwang, das Kopftuch zu tragen, entweder durch familiär erzeugten Druck oder, eben in manchen islamischen Staaten, sogar durch drakonische staatliche Strafen beim Weglassen des Kopftuchs. Genau aus diesem Grund habe ich mit diesem Kleidungsstück auch dann ein großes Problem, wenn es tatsächlich freiwillig getragen wird.

    • Daniel Florian 18. November 2015, 17:19

      Alice Schwarzer ist ein ganz gutes Beispiel für jemanden, der an alten Doktrinen festhält, die den Sprung in die Moderne verpasst haben. Da unterscheidet sie sich nicht von so manchem traditionellen Muslim 😉

Leave a Comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.