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Großbritanniens grüne Autorevolution

Für Bundeskanzlerin Merkel ist die Umweltprämie zwar ein "Erfolgsmodell", Experten bezweifeln jedoch den ökologischen Nutzen der Prämie: "Die Bundesregierung verfolgt mit der Geldspritze für die Autoindustrie keinerlei ökologische Zielsetzung", so der Bundesgeschäftsführer des Verkehrsclub Deutschland Gerd Lottsiepen vor einiger Zeit im Deutschlandfunk. Sie sei lediglich eine "teure Mogelpackung", so sein Fazit

Das es auch anders geht, zeigt die britische Regierung. Die legte Mitte April ebenfalls eine Art "Abwrackprämie" auf, allerdings mit dem Ziel, damit eine grüne Autorevolution loszutreten. Bis zu 5.000 Pfund (etwa 5.500 Euro) bekommen britische Bürger, wenn sie sich in den kommenden Monaten ein umweltfreundliches Elektroauto zulegen. Verkehrsminister Geoff Hoon ist zuversichtlich, dass diese Maßnahme ihr Ziel nicht verfehlen wird: "Given that 60 per cent of journeys by car are under 25 miles, there's no reason why someone using a car for commuting on a regular basis will not be able to charge up their car at home, take it to work and come home again well within the distance an electric vehicle should be able to travel".

Bemerkenswert ist aber vor allen Dingen, dass die Autoindustrie mit von der Partie ist: Die britische Regierung stellt ihnen 100 Millionen Pfund (etwa 111 Millionen Euro) für die Forschung und Entwicklung neuer Elektroautos zur Verfügung. Angebot und Nachfrage werden also zusammen gedacht – und die britische Autoindustrie bekommt so vielleicht einen kleinen Vorsprung in einem zukunftsträchtigen Sektor der Branche.

Eine vergleichbare Industriepolitik sucht man in Deutschland vergebens. Dabei hat das Auswärtige Amt selber vor kurzem eine Studie in Auftrag gegeben, die untersuchen sollte, wie die Konjunkturpakete der G20 eine nachhaltige Entwicklung fördern könnten. Und über das Retten von Banken sollten echte Zukunftsinvestitionen nicht vergessen werden, denn große technologische Innovationen wie die Eisenbahn oder die Stromerzeugung sind nie ohne Starthilfe durch den Staat ausgekommen. Das ist heute nicht anders.

Aber auch in Großbritannien ist nicht alles grün, was glänzt: Nach Berechnungen von Ökonomen investiert Großbritannien lediglich knapp sieben Prozent seines Konjunkturpaketes in "grüne" Programme, verglichen mit durchschnittlich 15,3 Prozent weltweit. In Deutschland werden laut Bundesregierung lediglich etwa zwei Milliarden Euro in die energetische Gebäudesanierung gesteckt – zukunftsweisende Investitionen sehen anders aus.

Das scheinen auch die Grünen so zu sehen. In ihrem Wahlprogramm fordern sie einen "green new deal" – im Herbst könnte dieser Zug aber schon abgefahren sein.

Foto: Daniel Florian (via flickr.com), Lizenz: Creative Commons

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