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Raab und Merkel: die zwei Sieger des TV-Duells

"Politik ist keine Unterhaltungssendung, sondern ein ernstes Geschäft" - mit diesen Worten sprach sich SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück am Aschermittwoch gegen Stefan Raab als möglichen Moderator des "TV-Duells" zwischen ihm und Kanzlerin Merkel aus. Ausgedacht hatte sich diesen PR-Gag ausgerechnet Edmund Stoiber, der - wohl nicht ganz zufällig - auch Vorsitzender des Beirats der Pro7Sat.1 Media AG ist.

Nur zwei Tage später vollzieht Steinbrück eine Kehrtwende. "Wenn Angela Merkel … auch mit Stefan Raab einverstanden ist, wird es so geschehen", diktiert er nun der Bild-Zeitung in den Block. Und Merkel ist einverstanden. Am Freitag bestätigte Regierungssprecher Steffen Seibert in der Bundespressekonferenz noch einmal, was er mir tags zuvor schon via Twitter mitgeteilt hatte:

Gegen einen Moderator Raab hat Merkel also nichts einzuwenden.

Woher der plötzliche Sinneswandel von Steinbrück kam, ist nicht bekannt. Offensichtlich ist allerdings, dass das alles andere als souverän wirkt. Warum hat Steinbrück nach dem Stoiber-Vorschlag nicht Kontakt zu Merkel aufgenommen und sich mit ihr abgestimmt? In den USA gibt es detaillierte Abmachung zwischen beiden Camps über den Ablauf der TV-Duelle und auch in Deutschland sollte sich die Politik mehr einmischen - schon 2009 waren die vier Moderatoren mindestens zwei zuviel.

Für Merkel wäre ein Moderator Raab ein geschickter Schachzug: mit ihrer trockenen Art wird sie Raab leichter auflaufen lassen können und ihn - zur Not - auch einmal in seine Schranken weisen, etwa wenn Raab sich (wie in der ersten Folge seiner Polit-Show "Absolute Mehrheit")  eine verbale Entgleisung leistet. Das bringt Punkte.

Für die politische Debattenkultur in Deutschland wäre Raab natürlich ein Desaster: "außer Witzchen und Rüpeleien" (so die Frankfurter Allgemeine Zeitung über "Absolute Mehrheit") hat der Entertainer nichts zu bieten. Und auch Michael Spreng sekundiert den Raab-Kritikern: "Das TV-Duell ist eine ernsthafte Sache, keine Wok-WM. Und es wird zwischen Fragen auch nicht mit Fäusten geboxt", schreibt er auf seinem Blog.

In solch einer entpolitisierten Umgebung glänzt die Präsidentin Kanzlerin Merkel natürlich am hellsten. Am Ende könnte es also zwei Sieger geben: Stefan Raab und Angela Merkel.

Foto: Martin Sassenberg, Lizenz: CC BY 2.0

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