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Uber: wie politisch dürfen Unternehmen sein?

Meine erste Reaktion zum #ubergate, das durch einen Kommentar des Uber-Mitarbeiter Emil Michael ausgelöst wurde, war ein Tweet:

Opposition Research, also das Suchen nach persönlichen Schwächen und (politischem) Fehlverhalten in der Vergangenheit des Gegners ist ein fester Bestandteil von Wahlkämpfen in den USA. Michael, der vor seinem Wechsel zu Uber unter anderem auch in der Politik gearbeitet hat, schien in einem eigenen Moment der Schwäche vergessen zu haben, dass manche Taktiken vielleicht im Wahlkampf akzeptiert werden, in der Welt der Wirtschaft jedoch tabu sind.

Uber sieht sich in einer politische Kampagne

Ich vergaß den Tweet schnell wieder, bis die Financial Times das Thema ein paar Tage später aufgriff. "The remarks raised hackles in Silicon Valley, but opposition research is more normal in Washington, where Mr Michael worked as a special assistant to the secretary of defence", schreibt die FT.

Michaels ist nicht das erste political animal, das Uber angestellt hat. Im August gab das Unternehmen bekannt, dass Präsident Obamas Kampagnenmanager David Plouffe zu Uber wechselt (hier meine Rezension zu seinem lesenswerten Buch "The Audacity to Win"). Uber-CEO Travis Kalanick erklärte die überraschende Personalie mit einem explizit politischen Motiv: "We are in a political campaign and the candidate is Uber. Our opponent is the taxi cartel." Plouffe solle dabei helfen, bei Bürgermeistern und Stadtparlamenten dafür zu sorgen, dass Uber als "new kid on the block" nicht vom Platz geschmissen wird.

Unternehmen dürfen politisch, aber nicht parteiisch sein

Der Fall Uber wirft eine spannende Frage auf: wie politisch müssen Unternehmen sein? Wer diesen Blog regelmäßig liest weiß, dass ich fest davon überzeugt sind, dass Unternehmen eine politische Haltung entwickeln sollten. Allerdings ist eine politische Haltung nicht zu verwechseln mit einer politischen Färbung. Parteipolitische Nähe kann für Unternehmen gefährlich werden wenn sich die politischen Mehrheitsverhältnisse ändern. Und auch den Vergleich mit einem Wahlkampf finde ich fragwürdig, denn wie die Diskussion um das #ubergate zeigt, werden an die Kommunikation von Unternehmen andere Maßstäbe angelegt als an Politiker.

Tatsache ist aber auch: auch im unternehmerischen Wettbewerb werden harte Bandagen angelegt. Oracle-CEO Larry Ellison ist das beste Beispiel für einen CEO, der gegenüber Wettbewerbern kein Blatt vor den Mund nimmt. Und es gibt eine ganze Menge an guten Gründen, die für eine Liberalisierung des streng reglementierten Taxi-Marktes sprechen. Mit den missglückten Äußerungen zu kritischen Journalisten lenkt Uber von dieser Debatte allerdings ab.

Foto: Kevin Krejci, Lizenz: CC BY 2.0

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  • Christian P. Krohne 23. November 2014, 12:30

    Sehr spannend, wie Uber sich selbst als eine Art politischer Akteur/Kandidat betrachtet – ich glaube, das gab es zuvor noch nie und wird so schnell wohl auch keine Nachahmer finden. Denn, wie Sie richtig sagen, Uber lenkt von den eigenen guten Argumenten pro Liberalisierung durch diese politisierte Strategie stark ab und verunsichert zudem durch die kleinen und größeren Skandale wie der Journalisten-Affäre viele Uber-Fürsprecher. Niemand nimmt Uber mehr die “Underdog”-Rolle ab, aber gleichzeitig ist das Unternehmen noch lange nicht mächtig genug, um den Platzhirsch zu markieren.

    Egal, was in den kommenden Wochen und Monaten passiert, ich bin ziemlich sicher, dass Uber noch für einige positive wie negative Lehrbeispiele in Sachen Öffentlichkeitsarbeit sorgen wird.

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