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Macht Lobbying Firmen weniger wettbewerbsfähig?

Politischer Einfluss wird fast immer als Stärke wahrgenommen, schließlich erleichtern Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern das Gewinnen von öffentlichen Ausschreibungen und geben der Firma Wettbewerbsvorteile. Studien haben sogar gezeigt, dass politisch gut vernetzte Firmen häufiger als schlecht vernetzte Konzerne vor der Pleite gerettet werden.

Ein Working Paper der Brookings Institution von 2008 ("Do politically connected Firms undermine their own competitiveness?") zeigt jedoch die negativen Folgen der "Klüngelwirtschaft" auf: als Gegenleistung für politische Vorteile verlieren die bevorzugten Firmen die volle Kontrolle über ihre Beschäftigungspolitik und haben oft eine übertrieben hohe Zahl von Angestellten. Für Politiker ist eine hohe Arbeitslosenquote ein sicherer Weg, nicht wiedergewählt zu werden - daher fordern Amtsträger als Gegenleistung für ihre politische Unterstützung eine möglichst hohe Beschäftigung. Zudem sind politisch gut vernetzte Firmen oft weniger innovativ und investieren weniger.

Die Ergebnisse des Papers scheinen der oft geäußerten Kritik recht zu geben, dass Lobbying nicht guten, innovativen Firmen hilft, sondern den alten "Dinosauriern", die lediglich ihre überkommenen Geschäftsmodelle und veralteten Produkte schützen wollen. Die Studie kann also als Warnung an die Manager gelesen werden, politischen Einfluss nicht als Subsitut für Innovation zu verstehen.

Es gibt - das zeigt das Paper ebenfalls - aber natürlich auch eine zweite Seite, nämlich diejenige des Politikers, der für seine Unterstützung eine Gegenleistung verlangt. In einem "Klüngelwirtschaft"-System profitieren beide Seiten - Politik und Wirtschaft - von den Handlungen der jeweils anderen Partei. Auf beiden Seiten gibt es also Faktoren, die zu weniger gemeinwohlorientierten Ergebnissen führen können.

Interessant ist außerdem ein Blick auf die wenig einflussreichen Firmen. Schaut man sich die Lobby-Ausgaben der großen amerikanischen Investmentbanken vor der Krise an, zeigt sich, dass Lehman Brothers im Vergleich zu Goldman Sachs, JP Morgan oder Merril Lynch extrem wenig Geld für Lobbying ausgegeben hat (nämlich 720.000 US-Dollar in 2007). Zum Vergleich: Goldman Sachs gab fast das vierfache dieser Summe aus (Quelle: OpenSecrets.org). Die Frage ist also, ob eine besser vernetzte Bank auch bankrott gegangen wäre - mit all den Konsequenzen, die die Bankrotterklärung für die internationalen Finanzmärkte hatte.

Foto: Jeremia Roth, Lobbyist Idolatry, Lizenz: CC BY-SA 2.0 / Hat Tip: The Monkey Cage, Dank auch an Tom Schlansky

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