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Die unbekannte Geschichte des Chairman Mao

Gute PR: US-Präsident Nixon besucht Mao in China (1972). Foto: wikipedia.de

Gute PR: US-Präsident Nixon besucht Mao in China (1972). Foto: wikipedia.de

Die roten Mao-Bibeln haben den Führer der Kommunistischen Partei in China weltweit berühmt gemacht. Weniger bekannt, so die beiden Autoren Jung Chang und Jon Halliday, ist die Tatsache, dass Mao für den Tod von 70 Millionen Menschen in Friedenszeiten verantwortlich ist – mehr Tote als bei jedem anderen Staatschef des 20. Jahrhunderts.

Ich habe Jung Chang 2005 bei einem Vortrag an der University of York gesehen, wo sie 1982 als erster Chinese aus der Volksrepublik ein britisches Stipendium bekam. In dem Vortrag beklagte Chang die fehlende geistige Offenheit in totalitären Systemen wie Maos China. Nach dem ersten Treffen mit ihrem Gutachter, so erzählte sie, forderte dieser sie auf, ihm ihre Doktorarbeit zu zeigen. "Aber die habe ich doch noch gar nicht geschrieben", entgegnete Chang verwundert und ihr Gutachter erwiderte: "Aber die Ergebnisse hast Du schon im Kopf!"

Und so ist es auch mit der Mao-Biographie, die vielmehr eine Anklageschrift gegen einen der größten Dikatoren des letzten Jahrhunderts ist. Aber auch wenn Chang und der Historiker Chang keinen Zweifel an ihrer Einstellung zu Mao lassen, ist das Buch dennoch lesenswert.

Über einhundert Interviews haben die Autoren für das Buch durchgeführt und dutzende Archive auf der ganzen Welt durchforstet, im Westen, aber auch in ehemaligen Ostblockstaaten. Eindrucksvoll schildern Chang und Halliday, wie Mao bewusst den massenhaften Tod seiner Landsleute in Kauf nahm, um die nukleare Aufrüstung Chinas und die Vorherrschaft seines Landes zuerst in der kommunistischen Welt, ultimativ aber auch auf der ganzen Welt zu erreichen. "Wir müssen die Welt kontrollieren", sagte er seinen zu Getreuen. "Wie müssen sie uniform machen."

Im Inland setzte Mao dabei die Bevölkerung massiv unter Druck, nach Außen hin präsentierte er China mit Hilfe westlicher Journalisten als friedliches und aufstrebendes Land. Durch öffentliche Exekutionen und soziale Kontrolle brutalisierte er die eigene Bevölkerung – ganz im Gegenteil zu Hitler oder Stalin, die stets versuchten, ihre Verbrechen zu vertuschen.

Der wirtschaftliche Fortschritt Chinas war nur auf Kosten der Bevölkerung zu erreichen. Während des "Großen Sprungs nach Vorn" starben bis zu 38 Millionen Menschen. Gegenüber ausländischen Gästen konnte er das Leiden seines Volkes erfolgreich verbergen. Ausländische Journalisten wie Edgar Snow, aber auch Politiker wie Francois Mitterand, der China 1961 als Vorsitzender der französischen Journalisten besuchte, ließen sich von Mao einnehmen. "Ich wiederhole mich, damit es gehört wird: es gibt keine Hungersnot in China", beteuerte Mitterand.

Und gerade weil der Westen China teilweise regelrecht hofierte und hoffte, Mao gegen die Sowjetunion zu instrumentalisieren, ist das Buch eine wichtige Lektüre. "An atom bomb of a book", wie auch das Time-Magazine schreibt.

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