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Genossen ohne “politische Körpersprache”?

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung prägt SPD-Vize Peer Steinrück einen interessanten Begriff: Die SPD stehe in den Umfragen deswegen so schlecht da, weil ihre "politische Körpersprache nicht intakt" sei. Und was bedeutet das?

Der österreichische Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick prägte das Axiom, dass man "nicht nicht kommunizieren" könne: Ein Mann, der im Wartezimmer eines Arztes sitzt, und dabei die Arme verschränkt und auf den Boden schaut, macht auch ohne etwas zu sagen deutlich: 'Ich möchte nicht angesprochen werden!'.

Und ähnlich verhält es sich in der Tat mit der SPD: Statt die zurückliegenden politischen Erfolge für sich zu reklamieren, "meinen viele bei uns immer noch, sie müssten sich für die Agenda 2010 oder die Beteiligung an der Großen Koalition entschuldigen", so Steinbrück im Interview.

Während die Parteispitze stetig versichert, die schmerzhafte Agenda 2010 zeige nun die ersten Erfolge und sei die Grundlage für den kräftigen Aufschwung der letzten anderthalb Jahre, spricht der "Parteikörper" – die Basis – eine andere Sprache. Viele in der SPD halten die Reformen der Schröder-Ära für unsozial und sind wütend auf die Parteispitze.

Die Körpersprache ist jedoch wichtiger als die Rhetorik: Fragt man einen Freund, wie es ihm gehe und er sagt mit heruntergezogenem Mundwinkel "Gut", so glauben wir eher seiner Körpersprache als seiner Aussage. Und deswegen ist es auch so wichtig, dass die SPD ihre "politische Körpersprache" wieder unter Kontrolle bringt. Bevor das nicht passiert, fällt es schwer, in der SPD eine Kanzlerpartei zu sehen, mit wem auch immer an der Spitze.

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