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Freigeld: neues Geld für die Weltwirtschaft

Geld horten wird in der Finanzkrise leider zur Tugend

Geld horten wird in der Finanzkrise leider zur Tugend. Foto: Olaf Jan Schmidt, Lizenz: Creative Commons.

In der vergangenen Woche entbrannte in den USA wie hier eine hitzige Diskussion darüber, ob die AIG-Manager ihre Boni behalten dürfen oder nicht. Ich hoffe das ist ein beruhigendes Zeichen: Es gibt derzeit scheinbar keine Bank, die vor der Pleite gerettet werden muss, keinen Versicherer mit Zahlungsschwierigkeiten und keine Kreditkartenfirma im Minus. Offensichtlich befinden wir uns derzeit im "Auge des Sturms" der globalen Finanzkrise. Ohne Zweifel – der Sturm wird weitergehen (vermutlich in der Kreditkartenbranche, natürlich auch in der Realwirtschaft), aber wir können einen Moment innehalten und die nächsten Schritte planen.

Die Frage, welchen (finanziellen) Beitrag die Banker für die Überwindung der Krise bringen müssen gehört unbedingt zu dieser Planung dazu. Wir müssen uns aber auch Gedanken über langfristig wirkende Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte machen. Die Staats- und Regierungschefs der G20 werden sich in der kommenden Woche in London treffen, um diese Fragen zu besprechen. Vielleicht sollten Sie dabei auch auf den Leiter des Think Tanks der UBS Bank, Prabhu Guptara, hören, der sich vor einigen Wochen in einer kleinen Runde in Berlin für die Einführung einer antizyklischen Währung aussprach.

Diese Währung müsse auf dem so genannten Freigeldprinzip basieren, das von Silvio Gesell (1862-1930) entwickelt wurde. Das Besondere am Freigeld ist, dass es mit einem negativen Zins belastet ist: je länger das Geld also gehalten wird, desto stärker sinkt sein Wert. Freigeld funktioniert damit wie das genaue Gegenteil des "normalen" Geld, dass dank der Zinsen in der Regel um so wertvoller wird, je länger man es hält. Durch den negativen Zinses kurbelt Freigeld den Wirtschaftskreislauf an und hilft dabei, eine Situation wie die jetzige zu vermeiden, in der Banken die Kreditvergabe fast vollständig einstellen.

Moderne Banken, so Guptara, handelten prozyklisch: sie verstärken einen Boom durch Kapital und verschärfen eine Krise durch den Entzug von Kapital. Eine antizyklische Währung würde diese sich selbst verstärkende Wirkung zerstören und zu helfen, exzessise Krisen zu verhindern. In der Schweiz gibt es mit dem von der WIR Bank herausgegebenen WIR bereits eine ähnliche Währung. Sie gilt alleine für Kunden der WIR Bank, die dadurch die Möglichkeit erhalten, untereinander mit WIR zu bezahlen und von der Bank günstige Kredite zu bekommen. Vielleicht würde solch eine antizyklische Währung tatsächlich mehr Vertrauen in das Finanzsystem schaffen als das nächste Bankenrettungspaket.

{ 2 comments… add one }

  • r2d2 7. April 2009, 00:16

    Das hätte dieselben Auswirkungen wie eine hohe Inflation, oder nicht? Das Geld wird real weniger wert. Inflation kurbelt Investitionen ebenfalls ganz erheblich an.

  • Daniel Florian 22. April 2009, 18:17

    Geld würde ja nicht generell weniger wert werden, sondern nur das Geld, das dem Geldkreislauf entnommen wird. Im Prinzip ist der Gedanke jedoch richtig; die New York Times hat kürzlich einen Gastbeitrag von Harvard-Professor N. Gregory Mankiw publiziert, der zeigt, wie Inflation den Geldkeislauf ebenfalls anregen würde: http://www.nytimes.com/2009/04/19/business/economy/19view.html

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