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Semmelknödel: Tschechiens “soft power”

Tschechisches Nationalgericht: Knödel in allen Varianten

.Tschechisches Nationalgericht: Knödel in allen Varianten Foto: tschörda, Lizenz: Creative Commons.

Am 1. Januar 2009 übernimmt die Tschechische Republik die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union. Für viele der kleineren Mitgliedsstaaten der EU ist die Ratspräsidentschaft eine einmalige Gelegenheit, sich aus einer herausgehobenen Stellung heraus in der Welt zu präsentieren. Denn während die wirtschaftlichen und politischen "Riesen" der EU wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien stets omnipräsent sind, haben es die kleinen Staaten mitunter schwer, ihre Stellung im europäischen Institutionengefüge zu behaupten.

Doch die tschechische Ratspräsidentschaft hatte bereits einen schlechten Start, noch bevor sie offiziell begonnen hatte: Im November bekannte der tschechische Präsident Vaclav Klaus, er sehe sich als "EU-Dissident" und lieferte sich zudem kürzlich ein Wortgefecht mit dem französischen EU-Abgeordneten Daniel Cohn-Bendit.

Ein weit schwerwiegenderes Problem hat nun aber anscheinend der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg entdeckt: den bedauerliche Zustand der tschechischen "Knödelkultur". Nur noch ungenießare Teigklöße würden in der Donau-Republik auf die Teller gebracht und drohen, den Ruf Tschechiens weiter zu zerstören.

Schwarzenberg habe deswegen die Schirmherrschaft über einen Landeswettbewerb für den besten Semmelknödel übernommen, wie die Zeit in ihrer aktuellen Ausgabe schreibt. "Es ist traurig, aber die tschechische Knödelkultur befindet sich im Niedergang", zitiert das Blatt den Minister und schließt daraus: "Es geht um mehr als nur Knödel. Es geht um Tschechiens Soft Power."

Dank der Initiative des Außenministers kann der wahlweise deftig oder süß genossene Semmelknödel hoffentlich gerettet werden. Und wer weiß – vielleicht kommen sich Klaus und Cohn-Bendit bei einem deftigen Knödelgericht und einem Pilsener Bier ja auch wieder näher ...

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