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#InaugurationDay +1: die AfD-Methoden von Donald Trump

Foto: Karl-Ludwig Poggemann, Lizenz: CC BY 2.0

Am Tag 1 nach der Inauguration lässt die erste Pressekonferenz von Trump-Sprecher Sean Spicer bereits erahnen, wie Trump in Zukunft regieren will.

Spicer verlas heute ein Statement, in dem die Medien für ihre Berichterstattung über die Vereidigung massiv kritisiert wurden. Insbesondere ärgerte ihn die Feststellung einiger Medien, dass es für Trump weniger Zuschauer gab als für seinen Vorgänger Barack Obama. Ähnliche äußerte sich - ebenfalls ungefragt - sein Boss Donald Trump heute während einer Rede vor Geheimdiensten.

Die Argumentation Spicers war dabei, nun ja, fragwürdig: da niemand offizielle Zahlen veröffentlich habe, könne auch niemand wissen, wie viele Besucher die Zeremonie gesehen hätten. Dennoch konnte Spicer mit Sicherheit sagen: "Das war die größte Zahl von Besuchern, die es jemals bei einer Inauguration gegeben hat. Punkt."

Ein Pressesprecher, der bereits bei seinem ersten Auftritt droht und seine Argumente mit einem finalen "Punkt." bekräftigen muss - oha.

Auch Trump scheint die Chuzpe seines Sprechers zu weit gegangen zu sein - behauptet er jedenfalls laut New York Times:

Aber wie glaubwürdig kann diese Äußerung Trumps sein?

Trump hatte kurz vorher nicht nur mehr oder weniger das gleiche gesagt. Spicer hat zudem nicht auf eine Frage geantwortet und dabei über das Ziel hinaus geschossen. Er hat ein Statement verlesen, das sicherlich mit seinem Chef Präsident Trump abgesprochen war.

Trump bedient sich damit einer Taktik, die auch die AfD immer wieder anwendet: er schickt einen Sprecher vor, um Lügen oder Provokationen zu verbreiten; wenn das Publikum dies goutiert, treibt er die Debatte weiter, wenn die Reaktionen kritisch sind, dann tut er so, als seien dies nur nie Worte eines übereifrigen Minions gewesen. So oder so wird die Grenze des Erlaubten ein Stücken weiter ins Extreme verschoben.

In einer Zeit, in der Lügen und Propaganda innerhalb von wenigen Stunden als vermeintliche Wahrheiten durch das gesamte Internet geistern, wird Aufrichtigkeit und Verantwortlichkeit zum wichtigsten Kriterium für Politiker und andere Menschen des öffentlichen Lebens.

If they go low, we go high.

Update: Marina Weisband hat das ganze noch treffender formuliert - vielen Dank!

Foto: Karl-Ludwig Poggemann, Lizenz: CC BY 2.0

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