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Politik und Start-Ups: das Ende einer Liebe?

Sascha Lobo auf der re:publica 14

In Berlin hat die Konferenzsaison der "Digitalen Bohème" ihren Höhepunkt erreicht. Von der Next bis zur re:publica, CDU Media Night und der Media Convention finden so viele verschiedene Konferenzen statt, dass in sozialen Netzwerken bereits nach einer neuen Regulierungsbehörde für Medienkonferenzen gerufen wird.

Für die Start-Up-Stadt Berlin ist das blendende Werbung. In den vergangen Jahren hat sich Berlin in der Gründerszene einen durchaus respektablen Ruf erarbeitet, auch wenn es bislang noch keinen signifikaten "Exit" eines Investors gab. Auch politisch haben Start-Ups mit der Gründung des Bundesverband Deutsche Startups und des Beirats Junge Digitale Wirtschaft beim Wirtschaftsministerium Rückenwind bekommen. Der Beirat Junge Digitale Wirtschaft, gegründet vom ehemaligen Wirtschaftsminister Philipp Rösler, hat sogar den Regierungswechsel gut überstanden.

Die Flitterwochen von Politik und Start-Up-Branche könnten allerdings schon bald zu Ende sein. Denn der Widerstand gegen die disruptive Kraft der New Economy wächst. Der Taxi-Alternative Uber bläst nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten Europas Gegenwind entgegen. Und das Hotelgewerbe wehrt sich gegen unlauteren Wettbewerb durch die Privat-Vermietung AirBNB.

Das Handelsblatt widmete der Start-Up-Szene diese Woche einen kritischen Kommentar, weil die junge Internetwirtschaft keine eigenen Produkte und Dienstleistungen entwickeln, sondern lediglich Plattformen schaffen, für deren Nutzung sie Gebühren verlangen: "Sie lassen die Realwirtschaft arbeiten und schöpfen einen Teil der Leistung ab." Damit, so die Autorin, entziehen sich die Start-Ups der Verantwortung, weil sie nicht für schlechte Arbeitslöhne oder schlechte Leistungen verantwortlich gemacht werden können.

Die genannten Beispiele zeigen, wie entscheidend das politisches Umfeld auch für junge Unternehmen ist. Wenn der eigene Business-Case politischen Entscheidern nicht ausreichend vermittelt wird oder eine Allianz von politisch gut vernetzten Wettbewerbern den Kampf gegen die unliebsame Konkurrenz aufnimmt, kann ein Unternehmen schnell die "license zu operate" verlieren.

In seiner "Rede zur Lage der Nation" auf der re:publica hat Sascha Lobo gemahnt, die Netzgemeinde dürfe nicht länger eine "Hobby-Lobby" bleiben. Was für die Netzgemeinde gilt, sollte - wie der Fall Uber zeigt - erst Recht für Internet-Unternehmen gelten.

Foto: re:publica, Lizenz: CC BY 2.0

{ 5 comments… add one }
  • Christian P. Krohne 7. May 2014, 09:05

    Ich glaube, dass diese “Liebe” bzw. Anbandelungsversuch relativ einseitig von “der Politik” ausging.
    Es schickt sich offenbar vor allem seit der Silicon Valley-Reise des damaligen Wirtschaftsministers Rösler, sich auch hierzulande in der Start-Up-Szene zu zeigen – insbesondere, seit die Berliner Gründerszene weltweit erfolgreiche Startups wie Soundcloud und ResearchGate hervorgebracht hat.

    Meinen persönlichen Erfahrungen nach ist man in den Start-Ups der Politik gegenüber eher sehr skeptisch eingestellt, und Regulierungsbestrebungen (welche zum Teil richtig, zum Teil jedoch auch an der Realität vorbeizuschießen vermögen), bestätigen diese Skepsis. Dass zumindest ein Minimum an politischer Interessenvertretungsarbeit immer notwendiger wird, scheint jedoch auch hier immer deutlicher zu werden.

  • Klas 7. May 2014, 15:08

    Zunächst mal kann Berlin durchaus imposante Exits (nach deutschen Maßstäben) vorweisen … aber hier fängt es an, dass Erwartung und Realität nicht gerade deckungsgleich sind: die guten Startups, die erfolgreiche Exits hinlegten, waren ohne relevante Investoren unterwegs.
    Oder sie, die Gründer, streben gar nicht den Exit sondern eine schnöde dauerhafte ( > 5 Jahre) eigenständige Existenz als … KMU an.

    Das ist wenig(er) sexy, aber umso, ähm, deutscher.

    Aber für diese Fälle hat „die Politik“ ja schon Angebote, mehr oder weniger gute.

    Viel problematischer ist aber eher die Abgrenzung und Uneinigkeit der alteingesessenen Akteure wie Bitkom etc, die mit den Startups zwar vielleicht wollen, aber nicht so recht können. Weil da neben dem üblichen Geschäftsmodelle hinterfragen auch ein anderer „Way of doing things“ mitkommt – nämlich Spaß an der Sache.

  • Jemi lehmann 8. May 2014, 12:21

    Ich versteh das nicht wirklich. Welches Berliner oder Deutsches Startup läuft denn Gefahr seine “license zu operate” aufgrund von politisch vernetzten Wettbewerben zu verlieren? Das ist ja eher das Problem. Viele wünschen sich ja startups aus Dtl, die so erfolgreich sind, dass sie tatsächlich und weltweit den Zorn von ganzen Industrien auf sich ziehen. Das wäre neben dem in Deutschland obligatorischen Neid ein sehr guter Masstab um ein wirklich erfolgreiches, transformatives Startup zu erkennen. Uber und AirBNB sind schlecht Beispiele für Berliner Startups. Dies sind schon lange keine wirklichen Startups mehr, sondern sehr gut gefundete, schlagkräftige Unternehmen. Die können und werden sich selbst helfen. Mit seiner Kritik an Internetmarktplätzen outet sich das Handelsblatt als obsolet für die Zukunft. Die Netzgemeinde ist keine Hobby-Lobby. Sie besteht einfach nur aus sehr vielen Akteuren mit zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen (no strong common cause), und relativ wenig Budget. Die Politik ist in Dtl. nicht wirklich ein Problem. Vielleicht gibt es ja sogar ehr zu wenig Reibungspunkte. We all should dream more – like Jack Ma – http://live.wsj.com/video/who-is-jack-ma/24D597C6-CDAE-4D80-B9B6-0780C6337FF3.html#!24D597C6-CDAE-4D80-B9B6-0780C6337FF3

    • Daniel Florian 8. May 2014, 13:37

      Mir fallen schon ein paar ein: StudiVZ als erstes, die massiv unter politischer Intervention gelitten haben. Und im nicht-technologischen Bereich: alternative Postdienstleister die durch die politisch gut vernetzte Deutsche Post mit dem Mindestlohn unter Druck gesetzt wurden.

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