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Die Rente ist sicher? Sicher nicht!

Die Rente ist sicher? Sicher nicht!

Die Rentenpolitik der Großen Koalition hat bisher nicht gerade das Vertrauen in die Weitsicht der Regierung gestärkt. Dank der Renten mit 63 und der Mütterrente kommen Milliardenkosten auf uns zu, die vor allen Dingen von der jungen Generation getragen werden müssen. Zwei Unionsabgeordnete haben deswegen einen klugen Vorschlag gemacht: höhere Rentenbeiträge für Kinderlose. "Ich finde es gerecht, wenn Eltern, die die Beitragszahler von morgen großziehen, einen niedrigeren Rentenbeitrag leisten als Kinderlose", so Silke Launert (CSU) gegenüber der Bild.

Das umlagefinanzierte Rentensystem hat aufgrund des demographischen Wandels seine Leistungsgrenze erreicht. Immer weniger Arbeitnehmer müssen immer mehr Rentner finanzieren. Ändert sich nichts, wird der Generation der heute 30 bis 40-jährigen am Ende nur noch eine steuerfinanzierte Grundrente bleiben. Und trotzdem tut die Politik so, als wären die Babyboomer gerade erst geboren.

Eine Kinderrente stellt Generationengerechtigkeit her

Die Idee der "Kinderrente", die Kinderlosen einen höheren Rentenbeitrag abverlangt als Eltern, ist deswegen ein sinnvoller Vorschlag. "Eine gute Rentenpolitik bedeutet, den Zusammenhang zwischen Kindern und Rente wieder herzustellen", meint auch Beatrice Scheubel, die sich in ihrer Dissertation mit Rentenpolitik befasst hat (Quelle: WDR5). Denn durch die Loslösung der Rente von der Kinderzahl sei der Staat gezwungen, die Bürger durch zusätzliche familienpolitische Leistungen zum Kinderkriegen zu ermuntern - das sei ineffizient.

Eine "Kinderrente" honoriert, das jedes Kind durch die Steuern und Sozialabgaben, die es im Laufe seines Lebens erbringt, einen Dienst an der Gesellschaft leistet. "Wer Kinder hat, soll deutlich mehr staatliche Rente bekommen - ob durch niedrigere Beiträge für die gleiche Rente oder durch höhere Renten", meint Scheubel deswegen. "Nur so können Sie einen nachhaltigen Effekt auf die Geburtenrate haben."

"Auch Rentner können streiken - bei der Wahl!"

Und wenn wir schon dabei sind: auch das Ehegattensplitting sollte durch ein Familiensplitting ersetzt werden. Weil Ehe heute nicht automatisch auch Familie ist, können wir unsere Sozialsysteme nur dann zukunftsfest gestalten, wenn sie konsequent auf Familien ausgerichtet werden. Wohlgemerkt: wer sich entscheidet keine Kinder haben zu wollen, darf diese Wahl selbstverständlich treffen. Er sollte dann nur auf andere Weise - etwa höhere Beiträge - dazu beitragen, unser Sozialsystem zu stabilisieren. Schließlich hat er in der Regel auch ein höheres Pro-Kopf-Haushaltseinkommen als eine Familie.

Wenn es uns nicht gelingt, das System zu ändern, haben die Rentner in zwanzig bis dreißig Jahren de facto eine Sperrminorität bei allen politischen Entscheidungen - nichts könnte gegen sie entschieden werden. Und die jahrzehntelangen Beitragszahler werden sich kaum mit einer Grundrente zufrieden geben. Parteien würden deswegen mit auf Pump finanzierten Rentenerhöhungen für sich werben und die Bundesrepublik weiter verschulden. Aus der Demokratie würde eine Gerontokratie werden. Oder eine Diktatur der Alten.

Foto: Niklas Bildhauer, Lizenz: CC BY-SA 2.0

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