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Merkel und Oppermann im “House of Cards”

Foto: Facebook.com/HouseOfCards, Credits: Netflix

Es ist nur ein Zufall, dass der vorläufige Höhepunkt in der Affäre Sebastian Edathy auf den gleichen Tag fällt wie der Start der zweiten Staffel von "House of Cards". Aber es entbehrt nicht einer gewissen Symbolik, denn die Umstände des Rücktritts von Ex-Innenminister Hans-Peter Friedrich könnten auch aus einem Script des "House of Cards"-Fieslings Frank Underwood stammen.

Kurz: der Rücktritt Friedrichs kommt zu früh, denn noch sind - wie auch die taz meint -  zu viele Fragen offen: warum wartete die Staatsanwaltschaft gleich mit einer Hausdurchsuchung inklusive Durchstechen an die Presse auf, wenn Edathy gar keine strafrechtlich relevanten Vergehen vorgeworfen wurden? Warum führte sie die Hausdurchsuchung erst im Februar durch, wenn sein Anwalt schon seit November von den Vorwürfen zu wissen schien? Hat tatsächlich Sigmar Gabriel seinen Parteifreund gewarnt oder war die undichte Stelle woanders? Schließlich: was wusste Merkel?

Die Kanzlerin wirkte bei ihrem Pressestatement am Nachmittag eisern: mit unbeweglicher Miene dankte sie dem früheren Innen- und jetzigen Agrarminister, der zum ersten Bauernopfer im Fall Edathy wurde. Sympathie oder Bedauern konnte man Merkels Gesicht nicht entnehmen, eher Verärgerung darüber, sich so kurz nach der Regierungsbildung schon wieder mit Personalien beschäftigen zu müssen.

Merkel wollte das Thema aus dem Weg räumen - radikal, bevor die Spekulation darüber, wer was wann gewusst hat, wochenlang durch die Medien spukt. In ihrer eigenen, durch keine persönlichen Schwäche getrübten Geradlinigkeit sieht die Kanzlerin - wie Frank Underwood - in der Politik nicht die Möglichkeit, etwas zu gestalten, sondern lediglich die Verfolgung eigener, linearer Interessen, was zwangsläufig auch den Umgang mit anderen Menschen mit sich bringt, die ansonsten aber vor allem stören. Hindernisse werden einfach aus dem Weg geschafft, so wie der Agrarminister heute oder der Kongressabgeordnete Peter Russo in "House of Cards".

Der wahre Frank Underwood dieses Berliner Dramas ist allerdings SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. Der habe "ohne zu zögern" (Focus Online) das Diskretions-Versprechen der SPD-Führung gebrochen und Friedrich damit ans Messer geliefert. Nicht einmal 30 Stunden nach der Publik-Machung des Geheimnisverrats von Hans-Peter Friedrich wurde der Franke von Angela Merkel und Horst Seehofer aus dem Amt gedrängt.

Aber Oppermann wäre ein schlechter Frank Underwood, wenn der großkoalitionäre Vertrauensbruch an ihm haften bleiben würde. Statt dessen glaubt die Welt, das Fraktionsgeschäftsführerin Christine Lambrechts Stuhl wackeln könnte. Sie hatte am Dienstag gelogen, als sie behauptete, erst durch die Medien von den Vorwürfen gegen Edathy erfahren zu haben.

"Ich glaube, das ist alles Werbung für 'House of Cards'", schreibt Christof Fischoeder auf Twitter. "Berlin ist fetter als Washington." Und Frank Underwood selbst ließ heute über den Kurznachrichtendienst verbreiten: "Welcome back." Das "House of Cards" steht seit heute an der Spree.

Update 15. Februar 2014: Christine Lambrecht erklärte am 13. Februar, dass sie am Dienstag nicht die Unwahrheit gesagt habe, weil sie tatsächlich erst am Montag Abend von den strafrechtlichen Ermittlungen gegen Edathy erfahren habe.

Foto: Facebook.com/HouseOfCards, Credits: Netflix

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