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Streitet um Sachfragen, nicht Machtfragen!

Woran liegt es, dass sich Jugendliche scheinbar immer weniger für Politik interessieren (oder zumindest für den Teil von Politik, der sich um politische Parteien, Institutionen und Prozesse dreht)? Sind junge Wähler politikverdrossen oder nur politikerverdrossen? Diese Fragen haben sich die Friedrich-Ebert-Stiftung und ein Forscherteam unter der Leitung von Bettina Fackelmann gestellt und eine Studie mit dem Titel "Sprichst du Politik?" entworfen und durchgeführt.

"Die Sprache der Politiker wird als autoritär empfunden", fasst Christina Schildmann, Referentin der Friedrich-Ebert-Stiftung, die Ergebnisse der Studie zusammen, und nicht als eine Sprache, bei der man mit seinen eigenen Erfahrungen "einhaken" kann. Die Fachsprache und auch die von den Medien arrangierten Show-Arenen ließen keine echte Bereitschaft zu Dialog erkennen.

"Also ich denke nicht, dass jemand von den Linken mit einem CDU-Mann übereinstimmen möchte oder auch nur ansatzweise zeigen möchte, dass sie einander zuhören", sagt einer der befragten Schüler. "Das sind ja vollkommen verschiedene Ansichten. Aber das ist ja das eigentliche Problem, dass sie nicht auf den anderen eingehen. Alle denken an sich und wollen ihre eigenen Ziele durchsetzen und das ist es."

Diese Erfahrung bestätigt auch Michael Borchard, Hauptabteilungsleiter Politik und Beratung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Wähler belohnen Harmonie und bestrafen Konflikte. Gleichzeitig fördere die Mediengesellschaft eine konflikthafte Zuspitzung von politischen Diskussionen. Konfliktfähigkeit als "zentrale Kompetenz für eine politische Auseinandersetzung im eigenen Alltag" werde weder im privaten Umfeld noch in der Schule ausreichend vermittelt, scheiben die Autoren der Studie. Politische Debatten werden als störend oder irritierend empfunden.

Auch die Sprache vieler Politiker wird von Jugendlichen kritisiert. 59% der befragten Schüler sind überzeugt, dass Politiker absichtlich eine abgehobene Sprache sprechen. Eine "ehrliche" Sprache, die einen Kampfeinsatz auch "Kampfeinsatz" nennt und nicht "robustes Mandat" werde von den Wählern honoriert - das zeigten schon die Beliebtheitswerte etwa des damaligen Verteidigungsministers zu Guttenberg und seines Nachfolgers Thomas de Maizière.

[aartikel]3593370174:right[/aartikel] Für die politische Bildung liegt die wichtigste Herausforderung darin, Akzeptanz für politische Konflikte zu schaffen. Politik ist in seinem Kern nichts anderes als die Austragung von Konflikten über gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme.

Politiker hingegen müssen wieder mehr Konflikte über Sachthemen, nicht über Machtfragen führen. Sonst entsteht das Bild einer politischen Kaste, für die Machtgewinn und Machterhalt das Wichtigste und die Bedürfnisse der Bürger nur ein Mittel zum Zweck sind. Anders formuliert: Das strategische Dreieck politischer Akteure mit den Eckwerten "Stimmen", "Posten" und "Inhalten" muss sich wieder stärker auf die Inhalte besinnen.

Foto: Daniel Florian, Sprichst Du Politik? Lizenz: CC BY-SA 2.0

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