≡ Menu

Das Ende einer langen Jagd

Ratko Mladic ist gefasst. Im Westen gab es in den letzten 15 Jahren immer wieder Zweifel an der Ernsthaftigkeit, mit der die serbische Führung nach dem Kriegsverbrecher gefahndet hat. Schließlich gilt Mladic in manchen Bevölkerungsschichten immer noch als Kriegsheld. Insbesondere die Niederländer machten die Ergreifung Mladics zur Bedingung für einen Beitritt des Landes in die Europäische Union.

Manche Kommentatoren argwöhnen nun, dass der Zeitpunkt der Ergreifung Mladics nicht zufällig kurz vor der Veröffentlichung eines Berichts des Internationalen Straftgerichtshofs (ICTY) über die Zusammenarbeit Serbiens mit dem Gericht liegt. Ob dem so ist oder nicht kann ich nicht beurteilen.

[aartikel]0091925681:right[/aartikel] Wie schwierig die Suche nach einem Kriegsverbrecher in den Bergen des ehemaligen Jugoslawiens ist, darf jedoch nicht unterschätzt werden. Eindrucksvoll beschreibt der britische Journalist Nick Hawton in seinem Buch "The Quest for Radovan Karadzic" wie die Spuren von Mladics Waffenbruder Radovan Karadzic immer wieder ins Leere liefen, wie nahe Hoffung und Enttäuschung beeinander liegen und wie stark die Netzwerke sind, die die Verbrecher schützen.

Ich hatte einmal die Gelegenheit, in kleiner Runde mit einem Insider über die Suche nach Mladic zu sprechen und habe mir erklären lassen, wie viele Ressourcen die Regierung des serbischen Präsidenten Boris Tadic in die Jagd auf Ratko Mladic investiert hat. Und auch westliche Geheimdienste haben natürlich nach Mladic gefahndet.

Es ist jedoch vor allen Dingen der politische Verdienst der Regierung Tadic, dass Mladic nun gefangen genommen wurde. Darüber hinaus haben gerade Präsident Tadic und sein kroatischer Kollege Ivo Josipovic viel für die Versöhnung der Völker des ehemaligen Jugoslawien getan. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union müssen den Staaten Südosteuropas nun eine echte Perspektive für eine Vollmitgliedschaft geben und ihren Teil der Abmachung erfüllen.

Foto: primeministergr, Boris Tadic, Lizenz: CC BY-SA 2.0

{ 0 comments… add one }

Leave a Comment