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Strategieberatung im Zentrum der Macht

Sie sind in alle wichtigen Entscheidungen einer Landesregierung involviert und bleiben trotzdem immer im Hintergrund: die Planungsabteilungen der Staatskanzleien umweht auch innerhalb der Administration oft der Nebel des Geheimnisvollen. Dennoch gehören die strategischen Planer - anders als die von Timo Grunden untersuchten informellen Beraterzirkel der Ministerpräsidenten - fest zu den Regierungsgremien der politischen Spitzenakteure. In einer neu erschienenen empirischen Studie untersucht der Politikwissenschaftler Dominic Schwickert die Arbeit der Planungsabteilungen in deutschen Bundesländern und macht damit erstmals eine grundlegende Bestandsaufnahme zum Thema.

Kern der Studie sind zehn teilstrukturierte Interviews mit den Leitern der Planungsabteilungen aus unterschiedlichen Bundesländern. Die Interviews fragen neben dem institutionellen Arrangement auch Selbstverständnis, Arbeitsprofil und die Beziehungen zu anderen Akteuren innerhalb und außerhalb der Regierungszentrale ab und ermöglichen so einen weit gefassten Blick auf die Arbeit der Planer. Die transkribierten Interviews wurden schließlich kategorisiert um die Bildung von Hypothesen zu ermöglichen. Dabei ist sich Schwickert der Gefahr einer verzerrten Darstellung durch die Interviewpartner bewusst - schließlich stehen alle Planer im politischen Wettbewerb und müssen ihre eigene Arbeit rechfertigen.

In der Analyse der Interviews zeigt Schwickert deutlich das Spannungsverhältnis, in dem sich die Planer täglich bewegen: einerseits sollen sie langfristig planen, andererseits bestimmt auch hier oft Tagespolitik den Arbeitsalltag. Dies ist teilweise sogar erwünscht - tagespolitische Relevanz wird durch den Ministerpräsidenten natürlich besonders honoriert - führt aber natürlich zwangsläufig zu einem "trade-off". Zudem arbeiten Planer in der Regel nicht besonders öffentlich, müssen die öffentliche Meinung aber dennoch immer im Blick haben. Nicht immer kann dieser Widerspruch aufgehoben werden, so Schwickert: "Um strategische Denken und Handeln stärker auf höchster politischer Ebene zu verankern, muss sich die Arbeit der Planungsakteure an dem Maßstab der Profilierungsmöglichkeit für den Ministerpräsidenten messen lassen (können)".

Die politischen Planer dagegen sehen sich selber eher als "Querdenker", "Impulsgeber", "Vordenker" oder "Think Tank", auch wenn sie natürlich nicht selber wissenschaftlich arbeiten. Aufgrund begrenzter Zeit- und Personalressourcen greifen die Planungsabteilungen häufig auf externe Expertisen aus der Wissenschaft, aber auch aus Stiftungen, Verbänden oder Unternehmen zurück. Dadurch werden sie zu einer wichtigen Zielgruppe für Think Tanks, die ihre politischen Ideen in die Praxis umsetzen wollen. Das Selbstverständnis der Planer spiegelt sich auch in der Personalrekrutierung wieder: im Vergleich zu anderen Abteilungen der Verwaltung arbeiten in der Planung weniger Juristen und viele Abteilungsleiter legen zudem Wert auf ein vergleichbar junges Team.

Insgesamt gelingt Schwickert in seiner Analyse eine genaue und detaillierte Beschreibung des Arbeitsalltags der strategischen Planer in den deutschen Bundesländern. Lesenswert ist darüber hinaus vor allen Dingen der geschichtliche Überblick über das Thema "politische Planung" bzw. "politische Strategier" und die gewandelten Ansprüche an die Berater. Die von Schwickert gewählte Methodik lässt dennoch einige blinde Flecken übrig, deren Bearbeitung den Blick auf die Berater weiter schärfen würden: wenig erfährt man zum Beispiel über das Verhältnis zwischen Planungsabteilungen und informellen Beratern, deren Tätigkeitsgebiete sich teilweise überschneiden. Und auch die spezifischen Arbeitsmethoden, mit denen die Planungsabteilungen arbeiten werden im Detail nicht erwähnt, würden allerdings auch den Rahmen der Analyse sprengen.

Diese Rezension ist zuerst auf thinktankdirectory.org erschienen.

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