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Wie der Klimagipfel gelingen kann

Wenn sich Diplomaten aus aller Welt in der kommenden Woche im mexikanischen Cancún treffen soll das gelingen, was vor einem Jahr in Kopenhagen so kläglich scheiterte: ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll soll endlich ein verbindliches internationales Regime für den Klimaschutz ermöglichen und alle Staaten der Welt auf verbindliche Klimaschutzziele einschwören.

[aartikel]0199585210:right[/aartikel] Die Chancen für solch ein Abkommen sind jedoch gering, schreibt Scott Barrett in seiner Studie "Why Cooperate? The Incentive to Supply Global Public Goods". Denn selbst im schlimmsten Fall gefährde der Klimawandel nicht das Überleben der Menschheit als Ganzes. Und weil die Auswirkungen der globalen Erwärmung erst im Laufe von Jahrzehnten oder Jahrhunderten sichtbar würden, hätte die Menschheit genügend Zeit, sich anzupassen - manche nordischen Länder könnten von einer wärmeren Atmosphäre sogar profitieren. Schließlich sind die Anreize für Regierungen hoch, anderen Ländern die Kosten der Klimapolitik aufzubürden, weil von einer erfolgreichen Klimapolitik auch diejenigen Staaten profitieren, die nicht dazu beigetragen haben.

Der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Keohane schlägt daher vor, die Klimaverhandlungen als "regime complex" zu sehen, also als eine Vielzahl miteinander nur lose verknüpfte Abkommen, und sich von der Idee eines großangelegten Folgeabkommens für das Kyoto-Protokoll zu verabschieden:

"In recent years" so Keohane in einer Rede an der London School of Economics, "I've seen massive global summits such as the Copenhagen meeting, organised around the goal of a single universal treaty. But our analysis suggests that more focused activities will have a bigger impact. In settings of high uncertainty and policy flux, regime complexes are not just politically more realistic, but they also offer some important advantages such as flexibility and adaptability."

Weil die Ergebnisse eines Kyoto-II-Abkommens ungewiss und die Kosten hoch sind sei es kein Wunder, dass die Regierungen der Welt sich mit Zugeständnissen schwer tun, so Keohane weiter. Zudem verschlingen Mega-Gipfel wie Kopenhagen und Cancún enorme Ressourcen, die besser in einer Vielzahl von kleinen und konkreten Projekten eingesetzt würden.

Anstatt an einem einzelnen, monopolistischen System für Emissionshandel zu arbeiten, könnte man zum Beispiel einen Wettbewerb verschiedener Systeme schaffen. Ergänzend könnten Zölle für Länder eingeführt werden, die einen hohen CO2-Ausstoß haben. Durch die Zölle würden Unternehmen in Ländern mit Emissionshandel vor Nachteilen im globalen Wettbewerb geschützt und eine Abwanderung von CO2-intensiven Industrien verhindert. Die Europäische Union als einer der größten Handelsblöcke der Welt könnte diesen Schritt auch alleine machen.

Die Klimaverhandlungen in Kopenhagen waren für die EU eine riesige Blamage. Um eine erneute diplomatische Niederlage zu vermeiden, sollten die Europäer sich von der Idee eines einheitlichen Vertrages verabschieden und Alternativen zu Kyoto II schaffen. Ansätze dafür gibt es bereits zuhauf, nur in der Öffentlichkeit traut sich offensichtlich noch kein europäischer Politiker, einen Strategiewechsel der EU anzukündigen. Auch auf der Webseite von Bundeskanzlerin Merkel ist immer noch zu lesen, dass Deutschland weiter an einem internationalen Klimaschutzabkommens arbeite.

Foto: Christian Guthier, It's the economy, stupid!, Lizenz: CC BY 2.0

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