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Wenn Präsidenten zwitschern

Social-Media-Seiten wie Facebook, Twitter oder YouTube sind für viele Menschen heute selbstverständlich. Das Web 2.0 kann allerdings auch von Staaten und internationalen Institutionen als Instrument der politischen Kommunikation genutzt werden.

Zwischenstaatliche Gipfeltreffen wie die G8 oder die G20 spielen auch heute noch eine wichtige Rolle in der internationalen Politik. Aber daneben gewinnt auch "Public Diplomacy" – also der Dialog mit einer breiteren Öffentlichkeit – zunehmend an Bedeutung. Diplomaten finden sich immer häufiger in der Rolle von Moderatoren wieder, die Beziehungen zu Regierungen, Unternehmen, NGOs und einzelnen Bürgern pflegen, Diskussionen steuern und Allianzen schmieden. Public Diplomacy bezeichnet einen Paradigmenwechsel in der Diplomatie.

Die verschiedenen Stakeholder in die Politik einzubinden ist in der globalisierten Welt wichtiger denn je. Einer Umfrage von dimap communications zufolge verstehen bereits heute 34% aller Berliner Botschaften Public Diplomacy in erster Linie als "Community Building". Zum Vergleich: 49% verstehen Public Diplomacy vor allen Dingen als "PR" und 12% als "Branding".

In der "Digital Diplomacy" sind die Vereinigten Staaten eindeutig Vorreiter, und niemand zeigt das deutlicher als Barack Obama, der mehr als 4,5 Millionen Follower auf Twitter hat. Aber auch der als technikbegeistert bekannte russische Präsident Dimitri Medwedjew ist inzwischen unter die Twitterati gegangen (@kremlinrussia_e) und zeigte der Welt in einem seiner ersten Tweets Fotos von einem Ausflug ins Burger-Restaurant mit dem amerikanischen Präsidenten (Disclaimer: die Präsidialverwaltung der russischen Föderation ist einer der Mandanten meines Arbeitgebers dimap communications).

Neben Twitter ist Facebook mit mehr als 500 Mio. aktiven Nutzern eine der wichtigsten Webplattformen der Welt. Eine Reihe von US-Botschaften nutzen die Seite bereits erfolgreich, um Kontakt zum Bürger aufzubauen. Alleine die US-Botschaft in Jakarta hat über 135.000 "Fans" auf Facebook. Das Geheimrezept der Botschaft ist nach Angaben des Sprechers Tristram Perry: "we make our Facebook fun. Jazz, technology, tourism – we have a fascinating history. There’s lots about it that people admire."

Blogs sind gerade in Deutschland noch unterschätzt. Das musste auch einer der weltweit bekanntesten Außenpolitik-Blogger Steve Clemons erfahren, als ein deutscher Diplomat ihm den Zugang zu einem Empfang mit dem damaligen deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier verweigerte, weil er "nur ein Blogger" sei. Journalisten wurden problemlos zugelassen. Aber trotzdem: auch Steve Clemons gibt zu, dass die Deutschen in letzter Zeit Fortschritte gemacht haben, auch wenn die bloggenden Botschafter der Briten immer noch vorne liegen.

Die Machtgleichgewichte haben sich in der vernetzen Welt verschoben und die Bürger wollen stärker an der Politik beteiligt werden. Für den amerikanischen Politikwissenschafter Joseph S. Nye beruht "leadership" heute nicht mehr vornehmlich auf der Fähigkeit zu entscheiden, sondern auf Integration und Kollaboration: "In a networked world, leadership is more like being in the middle of the circle and attracting others than being ‘king of the mountain’ and issuing orders to subordinates down below", schreibt Nye. Nur im Dialog mit allen relevanten Stakeholdern kann ein ausreichender Resonanzboden erzeugt werden, um etwa schwierige politische Entscheidungen zum Schutz des Klimas oder zu anderen globalen Themen durchzusetzen.

Soziale Netzwerke sind deswegen ein wichtiger Teil von Public Diplomacy – nicht nur für große, sondern besonders auch für kleine Staaten. Im World Wide Web ist man schließlich nur einen Klick von den Großmächten der Welt entfernt.

Foto: © Russian Presidential Press and Information Office / Dieser Artikel wurde für die Webseite von dimap communications geschrieben

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