Gorbatschow, Putin und die Perestroika

by Daniel Florian on 12. Juli 2010

Post image for Gorbatschow, Putin und die Perestroika

“Der Untergang der UdSSR war die größte geopolitische Katastrophe des 21. Jahrhunderts” – dieses Zitat von Wladimir Putin fehlt in keinem Portrait oder größerem Artikel über den ehemaligen russischen Präsidenten und heutigen Premierminister. Oft dient das Zitat als Beleg, dass Putin immer noch im Denken des sowjetischen Geheimdienstes KGB verhaftet sei, dass er der Sowjetunion nachtrauere und eine neo-imperialistische Politik Russlands in den Nachfolgestaaten der UdSSR verfolge.

Andere – zu denen ich mich auch zähle – glauben, dass das bekannte Putin-Zitat weniger ideologisch, sondern pragmatisch gemeint war. Das Erbe der Sowjetunion wirft schließlich auch heute noch einen Schatten auf das moderne Russland. Diese Interpretation bekam kürzlich Rückenwind durch ein bemerkenswertes Interview, das Michail Gorbatschow mit dem britischen Independent führte. Darin äußert sich Gorbatschow selbstkritisch über das Ende der Sowjetunion:

But for the collapse of the Soviet Union, he also blames himself. In the end, he says, “we” – and I think he means his small band of Kremlin reformers here – “should have prevented it”. He goes on: “Mostly, though, I reproach myself, even today.” “We called free elections, carried out political reforms, tried to build a modern Parliament… and the reality was that the Communist nomenklatura could not withstand the test of democracy and freedom.”

Sicherlich, man kann darüber streiten, ob der Untergang der Sowjetunion tatsächlich die “größte” Katastrophe des 20. Jahrhunderts gewesen ist – größer noch als die beiden Weltkriege, die Explosion der Atombomben in Hiroshima und Nagasaki oder die größte von Menschen provozierte Hungersnot der Geschichte. Dennoch: das plötzliche Ende der UdSSR war ein ungeheurer Einschnitt in der Geschichte Russlands. Eine graduelle Transformation der UdSSR, so Gorbatschow, hätte 20 oder 30 Jahre gedauert – Zeit, die er nicht hatte. Mit den Folgen der von Boris Jelzin eingeleiteten “Schocktherapie” (Gorbatschow) muss die russische Führung noch heute leben.

Disclaimer: die russische Präsidialverwaltung ist einer meiner Mandanten bei dimap communications. Dieser Post spiegelt meine persönliche Meinung wieder.

Foto: Anne Tiebel, all rights reserved.

Leave a Comment

You can use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Previous post:

Next post: