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Schröder: ‘Aus dem Zusammenhang gerissen’

Die schwarz-gelbe Koalition im Clinch mit den Medien: erst Guido Westerwelle, der seinen Kritikern auf dem Parteitag der NRW-FDP ein trotziges "Ihr kauft mir den Schneid nicht ab!" zuruft, dann Familienministerin Schröder (@kristinakoehler), die auf dem Politcamp 2010 kritisierte, dass die Journalisten ihre Tweets zu oft aus dem Zusammenhang reißen und falsch wiedergeben.

Schröder hat zwar nicht ausgeführt, auf welches Beispiel sie sich bezieht, aber dass Journalisten einen Politiker stets aus dem Zusammenhang gerissen zitieren ist ein Standard-Vorwurf aller Politiker. Glaubwürdig wird der Vorwurf jedoch nicht durch ständige Wiederholung. Gerade weil Medien knappe Zitate brauchen werden Politiker darauf trainiert, auch in 1:30 alles Wichtige zu sagen - oder eben in 140 Zeichen.

Schon im vergangenen Jahr habe ich geschrieben, dass die Nutzer Blogposts, Tweets und Statusmeldungen als persönliche Statements eines Politikers wahrnehmen und man dementsprechend viel Sorgfalt bei der Pflege der Profile walten lassen sollte.

Aber wieviel Zeit sollte man dafür investieren? Social Media ist ein persönliches Medium - deswegen hat Schröder auch nochmals betont, dass sie ihre Tweets selber schreibt. Ich habe dagegen prognostiziert, dass Tweets - wie auch politische Reden - vermutlich zunehmend von Beratern geschrieben werden. Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen: ein Mitarbeiter oder Berater versorgt das Facebook-Profil und den Twitter-Account mit informativen Links und politischen Positionen, der Abgeordnete sorgt mit persönlicheren Tweets für die gewünschte Authentizität.

So können Politiker dem von Schröder angesprochenen Dilemma entgehen, dass sie sich eben nicht nur um ihr Online-Publikum kümmern müssen, sondern auch um viele andere Wählergruppen. Und zugleich können Journalisten auch weiterhin aus Tweets zitieren, ohne dass die Ministerin sich missverstanden fühlt.

Foto: Thomas Vogt, Kristina Schröder, Lizenz: CC BY 2.0

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