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Barack Obama setzt weiter auf das Internet

Barack Obama hat in dieser Woche einen historischen Wahlsieg errungen. Der Senator hat nicht nur die Favoritin Hillary Clinton überholt, sondern sich auch gegen den republikanische Kandidaten John McCain durchsetzen können. Mit der höchsten Wahlbeteiligung seit vielleicht 100 Jahren im Rücken kann sich Obama auf eine breites Mandat stützen.

Bis zu seinem Amtantritt stehen er und sein Team jedoch vor zwei großen kommunikativen Herausforderungen:

  1. Unter einem Teil der republikanischen Anhängerschaft (und einigen Mandatsträgern) ist die Ansicht verbreitet, Obama sei "anti-amerikanisch" oder ein Muslim oder unterhalte gar Kontakte zu Terroristen. Diese Vorwürfe konnte auch John McCain im Wahlkampf nicht stehen lassen und musste seine eigenen Anhänger in einer Talkshow bremsen (siehe nebenstehendes Video). Und auch wenn republikanische Mandatsträger ihre harsche Rhetorik nun scheinbar zurückfahren – bis sich dieser Trend auch in den erzkonservativen Gegenden der USA durchsetzt, braucht es noch eine Menge Überzeugungsarbeit durch Barack Obamas Regierung in-spe.

  2. Der Wahlsieg Barack Obamas hat hohe Erwartungen geweckt. Der neue Präsident muss nun zeigen, dass er nicht nur vom Wandel spricht, sondern ihn auch wirklich bringen kann. Dazu muss er auch kommunikativ einen neuen Gang einlegen. Die Welt am Sonntag berichtet heute über ein Obama-Buch mit dem Titel "Barack Obama – Sohn der Verheißung, Kind der Hoffnung" und ein anderes Buch, dessen erster Satz lautet: "Es begann in Hawaii in einer Mondnacht, der Nacht, als Barack geboren ward." So schreibt man über Propheten, nicht über Präsidenten. Diese hohen Erwartungen zu managen, wird eine schwierige Aufgabe für den Neuen im Weißen Haus sein. Barack Obama scheint sich dieser Herausforderung bewusst zu sein. In seiner Siegesrede bemerkte er vorausschauend: "Es gibt viele, die nicht mit jeder Entscheidung oder jeder Politik einverstanden sein werden, die ich als Präsident mache. Und wir wissen, dass die Regierung nicht jedes Problem lösen kann."

Davon abgesehen ließ seine Rede noch nicht erkennen, unter welchem Stern seine Präsidentschaft stehen wird. "Unser Anstieg wird steil sein", rief Obama seinen Anhängern in Ohio zu. "Wir werden nicht in einem Jahr oder selbst in einer Amtszeit dort ankommen. Aber, Amerika, ich war nie hoffnungsvoller als heute abend, dass wir dort hinkommen werden." Aber wohin genau der neue Präsident das Land führen will, blieb bislang noch offen. Für seinen Wahlkampf hatte Obama einen Slogan. Für seine Regierung muss er erst noch einen finden.

Wohin jetzt? Barack Obama in der Wahlnacht. Foto: Barack Obama, via flickr.

Wohin jetzt? Barack Obama in der Wahlnacht. Foto: Barack Obama, via flickr, Lizenz: Creative Commons.

Eines wird jedoch jetzt bereits deutlich: Barack Obama setzt weiterhin auf die Mobilisierungskraft des Internet und auf die direkte Einbeziehung der Amerikaner, die im Claim "Yes, we can!" ihren Ausdruck fand:

Ich werde euch zuhören, vor allem, wenn wir verschiedener Meinung sind. Und vor allem werde ich euch bitten, euch der Arbeit anzuschließen, um diese Nation zu erneuern, auf die einzige Art, wie dies in Amerika seit 221 Jahren getan worden ist – Block um Block, Stein um Stein, schwielige Hand um schwielige Hand.

Und genau so wie Obamas Kampagne nicht zuletzt von tausenden über das Internet vernetzen freiwilligen Helfern getragen wurde, nutzt der neue Präsident das Internet auch weiterhin, um den Kontakt zu seinen begeisterten Anhängern aufrecht zu erhalten und möglichst viele Menschen einzubinden. Die eigens für die Transformationsphase eingerichtete Webseite change.gov protokolliert die Amtsübergabe haargenau und informiert über Barack Obamas Agenda und seine neue Regierung.

Vor allen Dingen aber werden die Amerikaner aufgefordert, ihre Vision von Amerika mit dem neuen Präsidenten zu teilen – Obama hört zu. Welche Hoffnungen und Sorgen haben seine Wähler? Welche Probleme sollen von der neuen Regierung gelöst werden? Klassisches "leadership" sieht anders aus – da geht der Präsident voran und das Land folgt. Und sicherlich werden die amerikanischen Medien bald auch mehr Führung des neuen Präsidenten einfordern.

Möglicherweise ist Obamas Webseite aber auch Zeichen eines neues Regierungsstils. Genau so, wie ein soziales Netzwerk wächst, wenn es offen ist und wenn viele an seiner Entwicklung mitarbeiten, ist auch Barack Obamas Wahlkampagne ein Zeichen der Macht der Wikinomics – und vielleicht der Beginn von "Open Source Government": indem Barack Obama seine Anhänger so direkt wie möglich anspricht (und dabei Parteistrukturen und Medien umgeht) schafft er eine unmittelbare Ansprechbarkeit und einen "direkten" Draht zu seiner Wählerschaft. Diese wiederum wird mobilisiert, Obamas Politik als "word of mouth"-Aktivisten in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, in der Arbeit und in ihrem Basketballverein zu verteidigen.

Vielleicht also will Barack Obama das Erfolgsrezept seiner Wahlkampagne auch in der Regierung nutzen und nicht auf die "Weisheit der Massen" (und ihre Mobilisierungskraft) verzichten. Es wäre nicht das erste Mal, dass uns der Senator aus Illinois und neue Präsident der Vereinten Staaten überrascht.

P.S.: Just heute greift auch das Global Dashboard dieses Thema auf und liefert zugleich einige Vorschläge, wie Obama seine Unterstützer weiter nutzen könnte.

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