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Wie Hillary Clintons Kampagne scheiterte

Duell der Kandidaten: Hillary Clinton und Barack Obama

Duell der Kandidaten: Hillary Clinton und Barack Obama. Foto: Salvador García Bardón, Lizenz: Creative Commons.

Sie war die "unvermeidliche" Präsidentschaftskandidatin, dann musste die ehemalige First Lady und Senatorin Hillary Clinton doch ihre Niederlage gegen Barack Obama eingestehen. Noch zum Jahreswechsel haben viele Beobachter das nicht vorhersehen können. Interne Memos und Strategiepapiere, die das amerikanische Magazin The Atlantic Monthly gesammelt hat, lassen nun erahnen, warum die Clinton-Kampagne am Ende scheiterte: "What is clear from the internal documents is that Clinton’s loss derived not from any specific decision she made but rather from the preponderance of the many she did not make."

Aber nicht nur Clintons Unentschlossenheit, auch die Zerstrittenheit innerhalb ihres Teams hat erheblich dazu beigetragen, dass die Kampagne nur stockend voranging. Im Wesentlichen ging es dabei um die Frage, wie mit dem Konkurrenten Barack Obama umgegangen werden soll: "Should Clinton run a positive campaign, to persuade Iowans to reconsider her? Or should she run a negative campaign that would accuse her opponents of being untrustworthy and under-qualified? Clinton’s top advisers never agreed on the answer."

Im Verlauf des Frühlings war die Kampagne so zerstritten, dass dieser interne Streit zur eigentlichen Hauptnachricht wurde. "Obama is unelectable except perhaps against Attila the Hun", provozierte der Kampagnenleiter Mark Penn und schürte damit die Sorge, dass exzessives "negative campaigning" schließlich nicht nur Clinton, sondern dem demokratischen Lager insgesamt schaden könne.

Hier liegt der zweite große Fehler der Clinton-Kampagne: sie hat auf die falschen Köpfe gesetzt. Im Think Tank Alert habe ich bereits auf eine interessante Analyse von Brad DeLong hingewiesen, der die Frage stellt:

here are two kinds of people who get involved in politics – those who care about the substance of policy, and those who want to get White House Mess privileges, or as a consolation prize become media celebrities. The first kind – the policy people – will be loyal to a politician as long as he or she is trying his or her best to achieve the shared policy goals. The second kind – the spinmasters – will be loyal to a politician as long as he or she is a winner who favors them. If a politician stops looking like a winner, or if a politician starts favoring others for what they hoped would be their west wing job, they will jump ship as fast as they can – and you will start seeing the 'infighting' stories.

The moral? A politician with an ideological policy compass is best off not hiring spinmasters as his or her senior aides. Hire people who care about the substance of policy instead.

Die Clinton-Kampagne jedenfalls scheint diese Theorie zu bestätigen, denn die Berichte über die internen Grabenkämpfe in ihrem Team waren begleitet von Berichten über Personalfragen.

Das Scheitern von Hillary Clinton ist auch ein brilliantes Lehrstück für deutsche Kampagnenmacher, denn nicht nur 2002, sondern auch 2005 sind die Bundestagswahlen extrem knapp ausgefallen, obwohl die Konservativen bei beiden Wahlen als Favoriten gestartet waren. 2009 wird man dennoch insbesondere auf die SPD schauen, die als Partei derzeit ähnliche Grabenkämpfe durchmacht wie das Team Clinton. Damit wächst auch die Gefahr, dass der größte Gegner der SPD im kommenden Bundestagswahlkampf ebenfalls ein Genosse ist.

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