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Olympia in China: eine vertane Chance

Kontrovers: Antiwerbung vor den Olympischen Spielen in Peking

Kontrovers: Antiwerbung vor den Olympischen Spielen in Peking. Foto: Shaul Hanuka, Lizenz: Creative Commons

In zwei Tagen beginnen die Olympischen Spiele in Peking, die vielleicht umstrittensten Spiele seit der Olympia in Moskau im Jahr 1980, die wegen des Einmarsches der Sowjetunion nach Afghanistan von einer Reihe westlicher Staaten boykottiert wurden. Einen Boykott wird es in Peking zwar nicht geben, aber dennoch werden viele Offizielle in Politik, Wirtschaft und im IOC sicherlich drei Kreuze machen, wenn die Spiele vorbei sind.

Über die Naivität des IOC muss man den Kopf schütteln, etwa wenn IOC-Präsident Jacques Rogge behauptet: "Wir glauben, dass China sich verändern wird, indem es sich der Überprüfung durch 25.000 Journalisten unterzieht, die zu den Spielen kommen werden." "Keine Sorge, wir sind's nur", kontert die Süddeutsche Zeitung, die Sportjournalisten, also die "Zierpudel" unter der schreibenden und sendenden Zunft. Und trotzdem zensiert die Kommunistische Partei das Internet, lässt deutsche Zeitungen im Deutschen Haus erst mit Verspätung ercheinen und unterbindet bereits genehmigte ARD-Drehs an der Chinesischen Mauer.

Als besonders skurril muss dabei gelten, dass das IOC zwar offensichtlich Regeln für die Auswahl der Sponsoren hat, sich bei der Auswahl des Gastgebers aber offensichtlich auf den guten Willen verlässt: "Wir prüfen bei allen interessierten Unternehmen", sagt IOC-Marketingchef Gerhard Heiberg in der heutigen Ausgabe der Welt. "Wie sind ihre Werte, wie ihre Ideale, wie ist die Corporate Governance? Einige passen nicht zu den Vorgaben unserer Olympischen Charta. Ihnen müssen wir sagen, dass es uns leid tut, wir aber zu dieser Zeit nicht gut harmonieren würden. Das ist in hier in China mit einigen Unternehmen passiert". Zum Glück scheinen das IOC und die VR China jedoch prächtig zu harmonieren.

Die Kritik an China ist auch keine Medienkampagne, wie man vielleicht vermuten könnte. Die Organisatoren in China werden sich genau angeschaut haben, wie ARD und ZDF sich in den dopinggebeutelten Ereignissen rund um die Tour de France im vergangenen Jahr verhalten haben: Augen zu und durch, gesendet wird immer. Aber dieser Fall liegt anders: beim Thema Zensur können die Medien nicht die Augen verschließen. "Jetzt", so Klaus-Dieter Frankenberger in der Frankfurter Allgemeinen, "wenige Tage vor der Eröffnung, schlagen die Wellen der Empörung hoch, weil die chinesischen Behörden Zensur üben und die Berichterstattung zu kontrollieren versuchen. Weil sie tun, was autoritäre und diktatorische Regime immer tun. Über den Charakter des chinesischen Herrschaftssystems kann niemand im Unklaren gewesen sein. (...) Zensur ist Zensur."

Die Olympischen Spiele sollten der Höhepunkt einer langen (und leisen) Entwicklung Chinas zurück zu einem Global Player sein. China ist wieder wer!, das sollte die Botschaft an die Welt sein. Die globale Verbreitung dieser Botschaft wurde zwar von Profis begleitet, aber nicht zum Positiven beeinflusst.

Dabei hätte China viel zu erzählen gehabt, und zwar nicht nur über seine enorme Wirtschaftskraft, sondern auch über seine "soft power", seine Ansätze zur Demokratisierung und Chinas Rolle in einer "globalen Verantwortungspartnerschaft", die Außenminister Frank-Walter Steinmeier kürzlich gefordert hat. Doch all diese Geschichten werden nun nicht mehr gehört werden. Für solche Geschichten ist nun kein Platz mehr in den Zeitungen, und sie werden ohnehin nicht von Sportjournalisten geschrieben. Vielleicht wäre es besser für die Volksrepublik gewesen, die Spiele wären nach Istanbul, Paris oder Toronto gegangen.

{ 1 comment… add one }

  • Klas 10. August 2008, 21:45

    Spannend zu beobachten ist ja nun, wie Peking aus den Schlagzeilen rutscht, und der Nicht-Ausrichter der nächsten Olympiade (sowie dann doch wieder Ausrichter der übernächsten Winterspiele) warm läuft, um an seinem Bild in der Welt zu arbeiten.
    Momentan wird da ja keine Chance ausgelassen … und das Feuerwerk stammt nicht mal aus dem 3D-Computer.

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