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Willkommen in Berlin, Barack Obama!

Popstar oder Politiker: Barack Obama besucht Berlin

Popstar oder Politiker? Barack Obama besucht Berlin. Foto: Peter Howe, Lizenz: Creative Commons.

Wenn Barack Obama heute in Berlin ankommt, wird er wie ein Popstar empfangen werden. Selbst der Spiegel titelt auf RTL-Niveau: "Deutschland trifft den Superstar". Kritischer sieht die Süddeutsche Zeitung den Auftritt Obamas vor einem Publikum von voraussichtlich hundertausenden Berlinern: "Er kommt als Kandidat, aber er inszeniert sich wie ein Heilsbringer", kommentierte die Zeitung am vergangenen Wochenende.

"Anmaßend" erscheine die "unbedingt gewollte Massenveranstaltung", so der Autor weiter. Und: "Ein wenig scheinheilig scheint auch, dass Obama den Europäern eine Botschaft verspricht, wo doch die eigentlich beabsichtigte Botschaft die Bilder von jubelnden Europäern sind, mit denen die Wähler in den USA beeindruckt werden sollen."

Die Süddeutsche steht mit dieser Meinung zwar nicht alleine, irrt jedoch in einem wichtigen Punkt: eine breite öffentliche Unterstützung des neuen amerikanischen Präsidenten in der europäischen Bevölkerung, kann in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden – und zwar egal, ob am Ende McCain oder Obama das Rennen macht. Die amerikanische Außenpolitik ist auf die Unterstützung durch die Alliierten der Vereinigten Staaten angewiesen, und diese benötigen wiederum die Unterstützung durch ihre eigenen Wähler.

Barack Obama hat erkannt, dass die Vereinigten Staaten wieder eine aktivere Public Diplomacy betreiben müssen, um eine erfolgreiche Außenpolitik betreiben zu können. Es reicht eben nicht, nur die Regierungschefs von der Richtigkeit der amerikanischen Außenpolitik zu überzeugen, es müssen auch die Köpfe und Herzen derjenigen erreicht werden, die diese Regierungschefs abwählen können. Und viele Berliner sind neugierig auf den Neuen in Washington, von dem sie sich viel versprechen.

Dass Obama in Berlin auch Wahlkampf macht, liegt in der Natur der Sache: zu einer Demokratie gehört eben auch der Wahlkampf, und es liegt nichts falsches darin, diesen auch in Berlin zu führen. Doch während Paris und London schon neidisch auf Berlin sind, weil Obama der Stadt mehr Aufmerksamkeit zukommen lässt als den Franzosen oder Briten, nimmt der Streit um den Auftritt Obamas immer bizarrere Formen an.

Die Stadt, in der 2006 noch "die Welt zu Gast bei Freunden" war, streitet darüber, welcher Ort wohl am Besten für den Auftritt Obamas geeignet sei. Und während das Brandenburger Tor offenkundig zu positive Assoziationen weckt, scheint die Siegessäule plötzlich der blutrünstigste Ort der Welt zu sein, weil sie an die preußischen Siege über Dänemark, Österreich und Frankreich im 19. Jahrhundert erinnert.

Barack Obama sollte sich daran nicht stören. Europa ist ein stolzer Kontinent mit Geschichte. Zugleich ist Europa auch ein leuchtendes Vorbild, weil es bewiesen hat, dass Geschichte überwunden werden und die Menschheit aus der Geschichte lernen kann. Und auch wenn ganz Berlin darauf wartet zu hören, was Barack Obama zu sagen hat: der Senator – und mögliche Präsident der Vereinigten Staaten – sollte auch zuhören. Deswegen: Willkommen in Berlin, Barack Obama!

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