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Bitte lächeln: Chinas globale “Charmeoffensive”

Charmeoffensive: China sucht sich neue Freunde in der internationalen Politik

Charmeoffensive: China sucht sich neue Freunde in der internationalen Politik. Foto: Ned Russell, Lizenz: Creative Commons.

Nur zweimal hat der chinesische Parteichef Mao Zedong in seiner fast 30-jährigen Amtszeit das Ausland besucht, 1950 und 1957, und beide Male ging es lediglich zum "Großen Bruder" nach Moskau. Der heutige Staatspräsident Hu Jintao dagegen hat alleine in diesem Jahr dutzende von Staaten besucht, vor allen Dingen in Afrika, Lateinamerika und Südostasien. Nach dem Tod von Deng Xiaoping hat die Volksrepublik eine beispiellose Diplomatie-Offensive gestartet und überall auf der Welt um neue Freunde geworben.

Der Journalist Joshua Kurlantzick wirft in seinem Buch "Charm Offensive: How China's Soft Power Is Transforming the World" einen kenntnisreichen Blick auf Chinas Soft-Power-Offensive, die von von der politischen Klasse im Westen bislang weitgehend unbemerkt geblieben ist, weil sie stets in kleinen Schritten erfolgte. Er beschreibt dabei nicht nur, welche Kanäle die chinesische Regierung für Ihre Eigenwerbung nutzt (etwa Entwicklungshilfe, Wirtschaftshilfe, Kulturdiplomatie und internationale Organisationen), sondern fragt auch, welche Ziele sie damit verfolgt.

Zwar spielt die Verbreitung des Kommunismus heute keine wichtige Rolle mehr, aber nach wie vor fühlt sich die chinesische Regierung durch die Präsenz der USA in Asien und ihren weltweiten Einfluss bedroht und fürchtet, die Vereinigten Staaten könnten versuchen, den Aufstieg Chinas aufzuhalten. Aber weil China mit der Militärmacht der Amerikaner nicht konkurrieren kann, macht sich das "Land des Lächelns" die Schwäche der amerikanischen Soft Power zu Eigen. Auf Konferenzen und Staatstreffen, auf Gipfeln und in internationalen Organisationen präsentiert sich die Volksrepublik als der 'Anwalt der Armen' und Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten, deren Doppelmoral und Einmischungspolitik sie kontinuierlich kritisiert. Auf der anderen Seite gibt sich China als verlässlicher und verantwortungsbewusster Partner und hat sich unter anderem erfolgreich für die Durchführung der Sechs-Parteien-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm eingesetzt.

Kurlantzick spart aber auch nicht an Kritik an China. Denn trotz seiner Nichteinmischungsrhetorik nimmt China massiv auf die inneren Angelegenheiten einiger Staaten ein und unterstützt diktatorische Regime in Afrika und Asien aktiv. Dies könne, so Kurlantzick, in Zukunft auf die Volksrepublik zurückfallen und seine Reputation in der Dritten Welt massiv beeinträchtigen. Auch die Tendenz der Chinesen, Entwicklungsprojekte in der Dritten Welt zu fördern, dabei zugleich aber die schlechten Arbeits- und Sicherheitsstandards ihres Landes zu exportieren und dort chinesische anstelle der einheimischen Arbeiter zu beschäftigen, sorgt für Konfliktpotential mit Chinas neuen Freunden.

Bislang aber steigt der Einfluss Chinas ständig an, häufig zu Lasten des Westens und insbesondere der USA. Nur wenn wir ebenfalls mehr Ressourcen in Soft Power und in Public Diplomacy investieren, können wir mit Chinas Beliebtheit in der Dritten Welt mithalten. Dafür, schließt Kurlantzick, müssen wir die chinesische Soft Power jedoch erst einmal verstehen. Sein Buch ist der beste Ausgangspunkt dafür.

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