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Bye, bye Blair

Nach zehn Jahren im Amt wird der britische Premierminister Tony Blair heute formell seinen Rücktritt einreichen und den Stab wie geplant an seinen langjährigen Weggefährten und innerparteilichen Gegenspieler Gordon Brown weitergeben. Vermutlich wird er dabei ein wenig wehmütig sein (wer wäre das nicht), wahrscheinlich aber auch ein wenig erleichtert. Nun wird ihn niemand mehr fragen, warum der NHS trotz ständiger Reformen immer teurer wird oder warum Blair in den Irak einmarschiert ist und das Land dadurch in einen Krieg geführt hat, der bislang über 150 britischen Soldaten das Leben gekostet hat.

Noch während Blair bei der Queen sitzt, marschiert Israel im Gazastreifen ein

Der Irak-Krieg brachte ihn zu Fall Tony Blair besucht britische Soldaten in Basra (Foto: © Crown Copyright)

Tony Blair in Basra (Foto: © Crown Copyright)

Tony Blair nimmt sich keine lange Auszeit, sondern wechselt gleich in einen neuen Job. Er soll Sondergesandter des Nahost-Quartetts werden – ein Job, der ihm sehr am Herzen liegt und der ihn voll ausfüllen wird: Praktisch während er mit der Queen bei tea and biscuits zusammensitzt, melden die Agenturen, dass Israel in den von der radikal-islamischen Hamas besetzten Gazastreifen angegriffen sei. Bevor sich der frischgebackene Sondergesandte jedoch in den Flieger nach Tel-Aviv setzt, bleibt ein wenig Zeit um zu fragen, was bleibt, wenn Blair geht.

Bereits kurz nach der letzten Wahl in Großbritannien habe ich im Newsletter der York Union Society eine Bilanz seiner Regierung gezogen, an der sich auch zwei Jahre später nichts Wesentliches geändert hat. Damals hatte Tony Blair zum ersten Mal in der Geschichte der britischen Labour-Partei den dritten Wahlsieg in Folge errungen und sich dennoch eine blutige Nase geholt. Viele Labour-Abgeordneten forderten danach den Rücktritt Blairs noch vor den nächsten Unterhauswahlen.

Blair ist von einer globalen wertebasierten Agenda überzeugt

Trotz aller Anfeindungen: Blair gehört ohne Zweifel zu den größten Politikern der letzten fünfzig Jahre. Eben habe ich noch einmal seine Rede über "globale Herausforderungen" gehört, die Blair auf dem letzten World Economic Forum in Davos gehalten hat. In den vergangenen Jahren, so Blair, habe er eine große Übereinstimmung der Gipfelteilnehmer zu zentralen Fragen der Global Governance bemerkt, die ihn optimistisch stimme. Er sei deswegen von der Realisierbarkeit einer "wertebasierten internationalen Agenda" überzeugt. Man merkt, dass dies wieder einmal einer der ganz großen Blair-Momente war. Blair hat eine klare Vision von der Welt und mit seiner humorvollen, in der Sache jedoch unbeirrbaren Art nimmt er die Menschen mit. Vision und leadership, das sind die beiden Erfolgsgeheimnisse von Tony Blair.

Im Einzelfall mag Blair zwar im Unrecht gewesen sein; das große Ganze ist jedoch seine ureigene Domäne, hier behält er Recht. Immer wieder betonte er seine feste Überzeugung, "das Richtige für mein Land zu tun". Für manche seiner Überzeugungen wurde Blair von seinen Wählern gehasst. Aber von den meisten wurde er dafür geliebt, dass er überhaupt Überzeugungen hat. In einer Welt, in der die großen, alten Ideologien keine Wirkung mehr haben, brauchen wir mehr Politiker wie Tony Blair.

Good bye, Tony.

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