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Hair Flick

Zum Friseur zu gehen ist für die meisten Männer etwa so schlimm wie der Arztbesuch: Man muss es von Zeit zu Zeit tun, aber eigentlich würde man lieber darauf verzichten.

Ich weiß, ich habe da einen anderen Ruf, seit ich vor einigen Jahren an Sylvester beim Friseur war und bei der Gelegenheit mit meiner Friseurin Ulrike auf das neue Jahr angestoßen habe. Aber das war eben was "Besonderes" und seid Ulrike ihren Job gewechselt hat, bin ich auch wieder verzweifelt auf der Suche nach einem wirklich guten Friseur.

Das Problem besteht darin, einen Friseur zu finden, der ohne lange Erklärungen gleich merkt, wie man die Haare geschnitten bekommen möchte – und es sich merkt, damit man beim nächsten Besuch nicht wieder von vorne anfangen muss. Am liebsten sind mir die Friseure, die anfangs fragen "Wann waren Sie denn das letzte Mal beim Friseur?" und aus der Antwort dann die ursprüngliche Frisur ableiten und wiederherstellen (also so etwas wie Frisur-Archäologen sind).

Ob ich mich mit dem Friseur auch ein kleines Schwätzchen halten kann ist dabei eher nebensächlich. Meistens ist mir beim Friseur gar nicht nach Small Talk zumute; wenn dann aber trotzdem jemand versucht, mir ein Gespräch aufzudrängen, werde ich schnell übellaunig. Ideal wäre deswegen ein Friseur, der etwas Interessantes zu erzählen hat, aber auch weiß, wann er zu schweigen hat.

“Hair Flicks” in York: politically uncorrect hair dressing

"Hair Flicks" in York: politically uncorrect hairdressing. Foto: Daniel Florian, bestimmte Rechte vorbehalten.

Ganz wichtig: Auch die Gespräche mit dem Friseur sollten nicht immer wieder beim Wetter anfangen, sondern wie mit einem Freund sein, den man nur alle sechs Wochen sieht. Wie Ulrike, die ich nach einer Weile so gut kannte wie keine meiner Friseurinnen zuvor. Mein letzter Friseur in Deutschland war da anders: Wenn ich während der Semesterferien wieder in Deutschland war und zum Friseur ging, fragt er jedes Mal: "Und, studierst Du?" Und wenn ich antworte "Ja, ich studiere in England" folgte jedes Mal dasselbe Gespräch: Über das Wetter in England, die Sprache, und darüber, was man denn mit einem
Studium in Politikwissenschaft anfangen kann. Jedes Mal.

Ist das Finden des richtigen Friseurs also quasi ein Ding der Unmöglichkeit? Manchmal nicht. Zum Beispiel wenn allein der Name so gut ist, das eigentlich nichts mehr schief gehen kann. Wie im Fall von "Hair Flick" in York. Sobald mein Mitbewohner James mir von dem Geschäft erzählte, wusste ich, wohin mich mein nächster Friseurbesuch ziehen würde. Und das nur wegen des Namens.

"Hair Flick" bezieht sich natürlich auf "Herrn Flick of the Gestapo", einen der urkomischen Charaktere der britischen Comedy-Serie "'Allo 'allo" (die ich hier schon einmal gelobt habe). Aber ansonsten hat der Laden nicht viel mit der Serie zu tun – lediglich das Wortspiel schien dem Erfinder des Namens passend für ein Friseurgeschäft. Und auch das ist typisch für Friseure und sicherlich eine Diplomarbeit in Soziologie wert: Warum haben Friseurgeschäfte immer die verrücktesten Wortspiele im Namen? Zum Beispiel "Kamm In" (Nettetal), Schnittstelle (Wuppertal) oder "Haarlust ... lass Dich verführen" (in Köln natürlich – vielleicht eher ein Special-Interest Geschäft ...)

Aber das ist wieder eine andere Geschichte, über die ich mir später vielleicht einmal mehr Gedanken mache, wenn ich endlich wieder einen richtigen Friseur gefunden habe ...

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